„In der Zeitung steht, dass Sie mehr Geld bekommen“

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Berlin - Seit Dienstag wissen wir nun, dass wir das Rx-Versandverbot (Rx-VV) endgültig begraben können. Jens Spahn will uns Apotheker vor Ort angeblich trotzdem stärken und hat uns ein Gesamtpaket versprochen. Auch in der Lokalpresse ging diese Nachricht herum. Die ersten Kunden haben uns in der Apotheke bereits darauf angesprochen – nicht immer reagierten sie nachsichtig. Die Nachtdienstgedanken zum Sonntag.

Die Personalbesetzung in der Apotheke lässt wieder mal zu wünschen übrig. Schon wenn eine Kollegin fehlt, können wir das nur schwer auffangen, jetzt sind gleich zwei krank. Zudem hat der Storch zugeschlagen. Auch wenn man Chef familienfreundlich ist und uns auch mit Arbeitszeiten und Termin entgegen kommt, ist es schwierig für ihn. Er spricht nicht alles aus – ich kann es nachvollziehen. Aber das gehört nun einmal auch zum Leben. Diese Woche war ich eigentlich nicht an der Reihe, aber es ging nicht anders. Der Chef hat gesagt, wenn er jetzt noch den Notdienst macht, liegt er nächste Woche flach. Er hat mich gefragt, ob ich einspringen kann. Irgendwie konnte ich nicht „Nein” sagen. Wir brauchen einfach mehr Personal! Aber lässt sich das Problem denn so einfach lösen? Wir suchen schon lange neue Kollegen, aber ohne Erfolg.

Ich habe gelesen, dass sich die Kammer in Brandenburg für einen Pharmazie-Standort einsetzt und Schülern mit Chemie-Experimenten versucht, die Pharmazie schmackhaft zu haben. Schön und gut – aber: Wenn sie dann Pharmazie studieren wollen, wollen sie dann auch in die öffentliche Apotheke? Ich glaube nicht unbedingt. Die Kunden werden immer dreister und verfolgen auch die „Geiz ist geil“-Mentalität. Der Aufwand für Dokumentationen steigt, die Arbeitsbedingungen werden immer schlechter. Noch schlechter ist aber die Lobbyarbeit unserer Standesvertreter. Von der Honorierung abgesehen... Auch von der Politik werden wir im Stich gelassen. Ich weiß nicht, wie lange ich das noch mitmachen kann. „Arbeitsplatz Apotheke: Eine gesunde Entscheidung“ sagen die Kammern. Von wegen gesund! Der Stress ist manchmal echt nicht auszuhalten.

Wenn ich Kunden erzähle, dass ich im Notdienst umgerechnet nur den Mindestlohn bekomme als Akademikerin, können sie das nicht unbedingt nachvollziehen. „Apotheker verdienen genug“, heißt es dann. Aber auch staunende Augen habe ich schon gesehen: „Wie, echt? Das wusste ich gar nicht!“. Ärzte und Feuerwehrleute im Bereitschaftsdienst lachen uns da bestimmt aus. Vom Schlüsseldienst möchte ich erst gar nicht sprechen.

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