Spahntastische Zustände | APOTHEKE ADHOC
Nachtdienstgedanken

Spahntastische Zustände

, Uhr
Berlin -

Die politische Entwicklung unseres Berufsstands lässt zu wünschen übrig. Von unseren Vertretern dürfen wir uns auch nicht viel erhoffen. Apotheken sterben, das Rx-Versandverbot ist auch gestorben, vierstellige Retaxationen... Einzig die Kassen feiern ihr Plus. Wie wird es nun weiter gehen? Ein Gespräch mit meinem treuen Begleiter Max.

Der Arbeitsmarkt für Apotheker sieht zur Zeit rosig aus: Bundesweit suchen Inhaber nach approbiertem Personal, generell gibt es mehr Angebote als Gesuche und nach dem Studium hat man eine Stelle meistens sicher, wenn nicht sogar mehrere zur Auswahl. Mit einer Qualifikation hat man Zugang zu verschiedenen Arbeitswelten, das bietet auch nicht jedes Studium. Fakt ist auch, dass es in der Pharmazie kaum Arbeitslose gibt. Ein sicherer Job also, was will man mehr?

Das ist nur die eine Seite der Medaille. Die paradiesischen Zustände sind schnell relativiert, wenn man von der Realität des Berufsalltags eingeholt wird. Wie wäre es mit einem adäquatem Honorar von pharmazeutischen Dienstleistungen? Interessiert doch keinen Menschen, solange für uns keine anständige Lobbyarbeit gemacht wird. Max: Wenn wir deine Hochschulausbildung als Vermögensanlage betrachten, fällt mir in diesem Zusammenhang das magische Dreieck ein: Sicherheit, Rentabilität und Liquidität. Es lassen sich immer nur zwei Ziele erreichen. Hat sich denn dein Studium wenigstens gelohnt?

Die Pharmazie fasziniert mich immer noch. Doch der Berufsalltag bringt mich immer wieder ins Grübeln. Ich kann Max' Frage nicht wirklich beantworten. Ich bin sehr glücklich mit meinem Wissen, das ich auch gerne vertiefen möchte. Doch der Alltag verlangt mehr und mehr. Nicht dass ich den Anforderungen nicht gerecht werden kann... Nein, viel mehr ist es die Unfreiheit, die dem Berufsstand auferlegt wird. Angeblich zählen die Apotheker zu den Heilberuflern. Stimmt doch gar nicht! Von allen Seiten wird man eingeengt, die Schikane der Krankenkassen macht einfach nicht mehr Spaß. Und trotzdem freue ich mich auf jeden Menschen in der Apotheke, dem ich helfen kann.

Max: Im vergangenen Jahr sparten die Kassen vier Milliarden Euro durch Rabattverträge. Also durch deine Leistungen... Du badest den Fehler der Ärzte aus, du musst dir das Gejammer der Kunden anhören. Manchmal wird dir Argwohn unterstellt. Ist das alles nicht zum Kotzen?
Ich: Wenn ich solche Zahlen lese, frage ich mich, was ich bislang falsch in meinem Leben gemacht habe. Weißt du auch, was die Kassenchefs verdienen?

Max: Um die 300.000 Euro, ein stolzer Betrag. Willst du nicht lieber Kassenchefin werden?
Ich: Wer würde das nicht wollen? Ist ja auch „irgendwas mit Gesundheit“.
Max: Was ist mit deinem Traum von der eigenen Apotheke?
Ich: Ich schließe es nicht aus, vielmehr würde ich gerne was Neues ausprobieren. Nur weiß ich noch nicht, was...

Alles in allem braucht unser Berufsstand eine Reform. Das Gesundheitswesen dreht sich derzeit nur um die Pflege. Keine Rede von PTA, die in Armut leben müssen, von Apothekern, die vierstellige Beträge nicht erstatten bekommen, wegen irgendwelchen sinnlosen und nicht alltagstauglichen Vereinbarungen. Und das alles, obwohl der Patient sachgemäß versorgt ist. Die ABDA schläft und wir müssen endlich aufwachen! Wer ändert unsere Situation, wenn nicht wir?

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