Pharmagroßhandel

Gehe trommelt für Honorarreform

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Berlin -

Wenn der Großhandelsverband Phagro nicht durchdringt, müssen die Mitgliedsfirmen ran: Gehe trommelt für eine Erhöhung der Vergütung. Bei Gesprächen mit den Gesundheitspolitikerinnen Karin Maag (CDU) und Martina Stamm-Fiebich (SPD) drängten Firmenchef Dr. Peter Schreiner und Andreas Thiede, Geschäftsführer Vertrieb & Marketing, darauf, dass die Honorare an die gestiegenen Kosten angepasst werden.

Schreiner klagte, dass die Kosten, die der Großhandel zu tragen habe, in den letzten Jahre enorm gestiegen seien. Insbesondere die 2013 in Kraft getretenen Richtlinie Good Distribution Practice (GDP) mache sich dabei bemerkbar: So müssen beispielsweise zusätzlichen Lagerbereiche klimatisiert werden. „Wir setzen die hohen Standards für den pharmazeutischen Großhandel, beziehungsweise in der Form der GDP-Richtlinie zur Gewährung der Arzneimittelsicherheit, konsequent um. Dies hat bereits in den vergangenen drei Jahren und wird auch in Zukunft enorme finanzielle Belastungen mit sich bringen“, beteuert Schreiner.

Außerdem erwartet Gehe einen weiteren Investitionsbedarf durch die europäische Fälschungsrichtlinie, die ab Februar 2019 gilt und einen dauerhaften technischen und administrativen Mehraufwand bedeute. „Im Gegenzug muss der Gesetzgeber die sinkenden Einnahmen bei gleichzeitig steigenden Kosten durch eine Vergütungsanpassung berücksichtigen“, so Schreiner.

Das sei notwendig, um die Leistungsfähigkeit des Pharmagroßhandels langfristig sicherzustellen. „Nur dann wird den Apotheken auch langfristig ein verlässlicher Partner zum Wohle der Patienten zur Verfügung stehen.“

Bereits seit Jahren fordert der Phagro eine Honoraranpassung. Bei der Umstellung der Vergütung im Jahr 2010 sei man von falschen Annahmen ausgegangen. Erwartet worden sei ein Zuwachs der Packungszahlen von 5 Prozent. Tatsächlich habe der Zuwachs in den ersten vier Jahren danach insgesamt aber nur 2,3 Prozent betragen. „Die Rechnung ist nicht aufgegangen“, sagte Verbandschef Dr. Thomas Trümper bereits 2013. Auch sei der Anteil der für den Großhandel unattraktiven hochpreisigen Medikamente, Betäubungsmittel und kühlpflichtigen Artikel gestiegen.

Im Rahmen des AMNOG war das Großhandelshonorar auf eine Mischung aus Fest- und Fixzuschlag umgestellt worden. Seitdem bekommen die Großhändler 3,15 Prozent zuzüglich 70 Cent je Packung. Dadurch waren Niedrigpreiser für den Großhandel wieder attraktiv geworden. Allerdings ist das Honorar bei 37,80 Euro – statt vormal 72 Euro – gedeckelt, entsprechend einem Herstellerabgabepreis (ApU) von 1200 Euro. Bei der zunehmenden Anzahl hochpreisiger Medikamente ist die Mischkalkulation laut Phagro wieder aus dem Gleichgewicht geraten.

Für den Großhandel habe die Entwicklung erhebliche finanzielle Einbußen zur Folge gehabt, kritisiert Gehe. Tatsächlich arbeitet Gehe zusammen mit der Unternehmensberatung Roland Berger seit vergangenem Jahr an einem breit angelegten Strategieprozess, um das Geschäft wieder profitabler zu machen. Im November wurde bekanntgegeben, dass dazu auch Stellenstreichungen gehören.

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