Honorardebatte

Großhändler wollen AMNOG-Sonderopfer zurück

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Berlin -

Die Großhändler fordern von der Politik eine Erhöhung ihres Honorars: Einen konkreten Betrag nannte Phagro-Chef Dr. Thomas Trümper zwar noch nicht, unter dem Strich wollen die Großhändler aber ihre Belastung aus dem AMNOG zurückholen. Die Forderung bewegt sich laut Trümper „in der Größenordnung von dem, was wir damals als Sparbeitrag leisten mussten“.

Die damalige schwarz-gelbe Regierung wollte mit der Umstellung des Großhandelshonorars rund 200 Millionen Euro sparen. Phagro-Vize Ralph Schüller brachte es auf den Punkt: „Wir wollen unser Geld zurück!“ Mit dem AMNOG wurde die Marge der Großhändler auf ein Kombimodell nach dem Vorbild der Apotheker umgestellt. Seit 2012 erhalten sie einen Zuschlag von 3,15 Prozent auf den Herstellerabgabepreis zuzüglich 70 Cent pro Packung.

An der Fixpauschale soll sich jetzt etwas tun. Welche Zahl ihm dabei vorschwebt, wollte Trümper auf Nachfrage nicht verraten: „Wir treten mit Forderungen an die Politik nicht an die Öffentlichkeit“, so der Phagro-Chef, der Aufsichtsratschef von Alliance ist.

Fakt sei, dass man bei der Berechnung des Honorars damals von falschen Annahmen ausgegangen sei. Erwartet worden sei ein Zuwachs der Packungszahlen von 5 Prozent. Tatsächlich habe der Zuwachs über die vergangenen vier Jahre insgesamt aber nur 2,3 Prozent betragen. „Die Rechnung ist nicht aufgegangen“, so Trümper. Auch sei der Anteil der für den Großhandel unattraktiven hochpreisigen Medikamente, Betäubungsmittel und kühlpflichtigen Artikel gestiegen.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat den Großhändlern bislang noch keine Versprechen geben können. Trümper hat aus den zahlreichen Gesprächen aber die Gewissheit gewonnen, dass sich der Minister des Stellenwertes des pharmazeutischen Großhandels bewusst sei. „Es ist unsere Aufgabe, im lernenden System AMNOG darzustellen, dass gewisse Dinge geändert werden müssen“, so Trümper.

Das hat der Phagro getan: „Wir haben die Mehrkosten aufgelistet seit Erfindung des AMNOG und die haben wir den beiden beteiligten Ministerien zugeleitet“, so Trümper. Neben dem BMG ist das Bundeswirtschaftsministerium für das Großhandelshonorar zuständig. Die Großhändler hätten dabei auch auf die zu erwartenden neuen Belastungen wie GDP oder Securpharm verwiesen.

Schüller gab zu, dass die Großhändler auch das Thema Mindestlohn unterschätzt hätten. Subunternehmer insbesondere im Osten seien diesbezüglich bei den Großhändlern vorstellig geworden. „Wir haben Bedarf an einer Aufbesserung unserer Situation.“ Man rede nicht von einer Verdopplung, sondern von einer Anpassung im Rahmen dessen, was die Großhändler verloren hätten.

Aus Schüllers Sicht wäre eine Anpassung nur gerecht: „Die Hersteller haben auch etwas zurückbekommen, uns hat man wieder einmal vergessen, weil wir zur geräuschlos waren. Das muss sich ändern.“ Vorerst bleiben die Großhändler aber zumindest bei der Formulierung konkreter Forderungen in Euro und Cent geräuschlos.

2009 hatte der Phagro 93 Cents plus 3 Prozent vorgeschlagen. In der ersten Runde wurde die Forderung nach einem Kombimodell mit der AMG-Novelle allerdings überhaupt nicht umgesetzt. Mit dem AMNOG kam 2010 die Idee wieder auf den Tisch – erweitert um ein gemeinsames Sonderopfer von Großhändlern und Apothekern. Vorübergehend standen 60 Cent und 1,7 Prozent im Raum, der Phagro schlug zweitweise 3,26 Prozent plus Pauschale beziehungsweise ein Preiscluster vor.

400 Millionen Euro wollte die Politik einsparen, die Apotheker mussten einen auf 2,05 Euro erhöhten Kassenabschlag leisten und klagten, dass die Abstriche beim Großhandelshonorar über Rabattkürzungen ebenfalls an sie durch gereicht würden. Während das Sonderopfer der Apotheker auf zwei Jahre befristet war, sollte die Belastung des Großhandels durch mehr Packungen ausgeglichen werden. Der Trend zu Hochpreisern hat die Kalkulation allerdings durcheinander gewirbelt.

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