Keine Strohmänner mehr

Apotheker wollen Großhandel bändigen Patrick Hollstein, 04.02.2019 10:49 Uhr

Berlin - In Österreich haben Apothekerkammer und -verband dem Gesundheitsministerium einen Katalog mit Änderungswünschen zum Apothekengesetz vorgelegt. Ihr erklärtes Ziel: Die Macht des Großhandels auf die Apotheken brechen und Strohmannkonstrukten einen Riegel vorschieben. Es knirscht zwischen den Marktpartnern.

In Österreich ist Fremdbesitz verboten, allerdings sind Minderheitsbeteiligungen von bis zu 49 Prozent erlaubt. Bei rund 200 der insgesamt 1370 Apotheken in Österreich gibt es solche Konstruktionen; oft ist der Großhandel an Bord. Üblicherweise werden diese Apotheken als KG betrieben: Der Apotheker haftet als Komplementär, der Investor ist als Kommanditist am Kapital beteiligt.

Im Prinzip haben sich alle Beteiligten mit dieser Regelung arrangiert, gerade bei Neugründungen oder Übernahmen ist die finanzielle Hilfe durch den Großhandel willkommen. Alle Lieferanten spielen in mehr oder weniger großem Umfang mit: die ehemalige Genossenschaft Herba Chemosan, die heute zu McKesson gehört und mit einem Marktanteil von 45 Prozent führend ist, genauso wie Phoenix oder die Privatgroßhändler Jacoby GM, Kwizda, Pharmosan und Richter.

Weniger gern gesehen sind die Darlehen, Bürgschaften sowie Liefer- und Beraterverträge, mit denen die Großhändler versuchen, die Apotheken langfristig an sich zu binden. Die Beteiligung an der Apotheke ist da nur Mittel zum Zweck.

Und dann gibt es zuweilen Extremfälle. Zehn Jahre lang dürfen Apotheker in Österreich nämlich sogar 75 Prozent der Anteile an ihrer Apotheke in fremde Hände geben. Beim Verband weiß man von Betrieben, bei denen kurz vor Ablauf der Frist der Inhaber wechselte, der Großhändler als Mehrheitseigentümer aber derselbe blieb. Nicht selten seien es Pensionisten, die sich für solche Strohmannkonstrukte hergäben, heißt es.

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