„Absurde Rabatte“ und Knebelverträge

Angezeigt von Apothekern: Kartellbehörde ermittelt gegen McKesson Tobias Lau, 19.05.2020 09:55 Uhr

Berlin - Die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) ermittelt gegen Herba Chemosan und seinen Mutterkonzern McKesson Europe. Der Großhändler wurde offenbar von seinen eigenen Kunden angezeigt: Eine Gruppe von Apotheken und „Unternehmen aus dem Pharmahandelsbereich“, die nach eigenen Angaben wirtschaftlich abhängig von McKesson sind, haben bei der BWB eine Beschwerde eingereicht, die APOTHEKE ADHOC vorliegt. Darin werfen sie dem Branchenprimus ein schmutziges Spiel vor: Er stehe an der Spitze eines Großhandelskartells, das durch künstlich erzeugte Lieferengpässe die Preise hochtreibe, um dann die Apotheken mit „absurden Rabatten“ an sich zu binden. Vorstandschef Dr. Andreas Windischbauer ist dabei auch persönlich im Fadenkreuz der Kartellwächter.

Die Rollenaufteilung zwischen Herstellern, Großhändlern und Apotheken besteht in Österreich nicht mehr – das beklagen zumindest Marktteilnehmer gegenüber der Wettbewerbsbehörde. Die wollen im Dunkeln bleiben, weil sie nach eigenen Angaben selbst wider Willen Teil des Systems und von Herba Chemosan abhängig sind. Dessen Mutterkonzern McKesson hat der Beschwerde zufolge nämlich alle Register des unlauteren Wettbewerbs gezogen: „Eine Vermischung dieser Rollen, eine horizontale wie vertikale Marktbeherrschung der Pharmagroßhändler über zahlreiche Handelsgesellschaften und Apotheken-Beteiligungen sowie der Arbitrage-Handel zwischen den Ländern stellen die Situation dar“, so die Beschwerde.

Dass sich die Apothekerschaft in der Alpenrepublik an der Macht der Großhändler stört, ist nicht neu: Zwar ist auch in Österreich der Fremdbesitz verboten, allerdings sind Beteiligungen bis zu 49 Prozent erlaubt. Apotheken mit Großhandelsbeteiligung werden dann als KG betrieben: Der Apotheker haftet als Komplementär, der Investor ist als Kommanditist am Kapital beteiligt. Viele Inhaber stören sich, offen oder verdeckt, schon seit längerem an den Darlehen, Bürgschaften sowie Liefer- und Beraterverträgen, mit denen die Großhändler versuchen, die Apotheken langfristig an sich zu binden.

Und nicht nur das: Vielerorts sehen sich Großhändler dem Vorwurf ausgesetzt, über Stohmannkonstruktionen die wahre Macht in den Betrieben zu haben: Denn bis zu zehn Jahre nach Übernahme dürfen Investoren sogar 75 Prozent der Anteile halten. Der österreichische Apothekerverband beklagt Fälle, in denen kurz vor Ablauf der zehn Jahre der Inhaber wechselte – der Großhändler aber derselbe blieb.

An dieser Praxis ist Herba Chemosan der Beschwerde zufolge über ein Netz an Tochtergesellschaften massiv beteiligt: Die Beteiligungsgesellschaft Admenta – die 2008 auch hierzulande im Vorgriff auf das EuGH-Urteil schon Kaufverträge mit Apothekern schloss – ist mit geringen Anteilen von 2600 bis 7500 Euro als Kommandantist in elf Apotheken vertreten. 34 weitere Apotheken hat die ehemalige Genossenschaft über die Tochterfirma HC an sich gebunden. Hier liegen die Anteile zwischen gerade einmal 1000 und bis zu 90.000 Euro – bewegen sich aber ebenfalls zumeist im niedrigen vierstelligen Bereich. Aber auch direkt ist Herba Chemosan der Schrift zufolge an sechs Apotheken beteiligt – mit Anteilen zwischen 145,35 Euro und 49.000 Euro.

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