Homöopathie: Apothekerin erhält Hassbriefe

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Berlin - Iris Hundertmark ist gewissermaßen die Nathalie Grams der Apothekerzunft: Seit sie vor zwei Jahren medienwirksam beschloss, in ihrer Apotheke keine Homöopathie zu verkaufen, ist sie zu einer Wortführerin der Homöopathie-Gegner in ihrer Branche avanciert. Auf Twitter tut sie ihre Meinung regelmäßig kund und hat mittlerweile über 8000 Follower um sich geschart. Dafür erhält sie nicht nur Unterstützung von teils prominenter Seite, sondern ist auch Opfer von Anfeindungen und Hassnachrichten. Hundertmark steht trotzdem zu ihrer Entscheidung – die sich auch betriebswirtschaftlich für sie gerechnet habe.

„Und da war er! Mein erster NHK (Notdienst-Homöopathie-Kunde) heute. Laugenunfall gestern. Erstmal die Nacht abgewartet. Heute zu mir in den Notdienst. ‚Euphrasia Augentropfen bitte. Es tut so weh!‘ Nein. Keine Euphrasia Augentropfen von mir. Kein Fall für die Apotheke“, schrieb Hundertmark am 1. Mai auf Twitter. Mit solchen Anekdoten, aber auch Statements zur Homöopathie in Medizin und Pharmazie verbreitet Hundertmark auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ihren Standpunkt. Und damit erreicht sie immer mehr Leute, vor allem seit sie 2018 verkündete, in ihrer Apotheke keine homöopathischen Produkte mehr anzubieten.

Bis heute ist sie die einzige Apothekeninhaberin, die diesen Schritt öffentlich getan hat – und musste dafür schon so einiges aushalten. Kurz nach der Entscheidung gab sie einer der Lokalzeitung Weilheimer Tageblatt ein Interview, indem sie ihren Verzicht auf Homöopathie damit begründete, „eine ehrliche Apothekerin“ sein zu wollen, und stach damit in ein Wespennest. Nach Erscheinen des Artikels hätten Mails ihren Posteingang geflutet, erzählte Hundertmark der Süddeutschen Zeitung (SZ) in einem kürzlich dort erschienen Porträt über sie. Vor allem Kollegen hätten sie dabei angegangen. Rufschädigung habe man ihr vorgeworfen, sie stelle Homöopathen pauschal als Lügner hin, andere hätten ihr mit dem Rechtsanwalt gedroht. Auch Post habe sie in der Zeit erhalten – aus der wolle sie aber gar nicht erst zitieren.

Dass sie Gegenwind bekommen würde, damit habe sie gerechnet, berichtet Hundertmark der SZ. Dass es so schlimm werden würde, hatte sie aber nicht erwartet. Auf Anfrage will Hundertmark die Berichte auch gar nicht weiter kommentieren, um nicht weiter Öl ins Feuer zu gießen, wie sie sagt.

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