Fälschungsverdacht bei Impfpass: Apotheker warnt vor Bloßstellung

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Berlin - Die Zahl der in Apotheken vorgelegten gefälschten Impfpässe steigt. Immer wieder entdecken Angestellte bei der Covid-19-Impfung Auffälligkeiten im gelben Heft. Auch Apotheker Carl Henrik Leue aus Osnabrück stellt eine zunehmende Zahl an Fälschungen fest. Der Inhaber der Neumarkt Apotheke warnt jedoch davor, vorschnell die Polizei zu rufen, und kritisiert, dass jedermann Blanko-Impfpässe bestellen könne.

Wieder ist in der Neumarkt Apotheke von Leue eine Fälschung entdeckt worden. „Seit drei bis vier Wochen nimmt das zu“, sagt Leue. „Anfangs ist der Druck auf Nicht-Geimpfte nicht so groß gewesen.“ Insgesamt knapp zehn gefälschte Ausweise hätten er und seine Angestellten „herausgefischt“ – von den rund 10.000 ausgestellten digitalen Impfzertifikaten in seinen drei Betrieben. Der Inhaber und sein Team haben mittlerweile eine Liste mit Fälschungsbeispielen angefertigt, um Plagiate schneller erkennen zu können.

Die Apotheken sind angehalten, die gelben Hefte vor der Ausstellung der digitalen Nachweise auf Echtheit zu prüfen. Dafür sollen sie sich den Personalausweis der Kund:in vorlegen lassen. Doch immer mehr Apotheker:innen kritisieren, dass die Einträge in den Impfpässen viel zu leicht zu fälschen seien. Auch das Bundeskriminalamt (BKA) wies unlängst darauf hin, dass sie keine Sicherheitsmerkmale aufwiesen. „Es ist auch ein Unding, dass jeder die Hefte bekommen kann“, sagt Leue. Für ihn ist die Einschätzung, ob es sich um eine Fälschung handelt, nahezu unmöglich.

Leue und sein Team versuchen jedoch, ihrer Prüfpflicht möglichst genau nachzukommen. Allen Angestellten sei es wichtig, Fälschungen zu entdecken und den Personen in diesem Fall keinen QR-Code auszuhändigen. Denn wenn dieser erst einmal abgegeben sei, sei es zu spät. „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst.“ Der Apotheker weist darauf hin, dass für einen sicheren Abgleich eigentlich immer Rücksprache mit dem Arzt nötig sei. Doch die Praxen oder Impfzentren seien nicht immer erreichbar. „Wir bräuchten eine Datenbank zum Abgleich.“

Bei Unsicherheiten greifen Leue und seine Angestellten zum Telefon und fragen nach, ob die Covid-19-Impfung tatsächlich stattgefunden habe. Was jedoch tun, wenn die Ärzt:innen oder Impfzentren nicht erreichbar sind? Auch diese Fälle kennt Leue: „Ich hatte hier an einem Freitagabend gegen 20 Uhr zwei Frauen.“ Die beiden legten ihre Impfpässe vor und wollten einen digitalen Nachweis. „Ich war mir sicher, dass die Einträge gefälscht waren“, so Leue. „Deshalb habe ich ihnen nichts ausgestellt.“ Die konkreten Auffälligkeiten bei Stempel und Unterschrift will er nicht öffentlich benennen, um es Fälscher:innen nicht leichter zu machen.

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