Lauterbachs Geheimauftrag im BMG

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Berlin - Der Gedanke ist omnipräsent: Karl Lauterbach (SPD) sollte Jens Spahn als Bundesgesundheitsminister ablösen. Erst nur als Witz, dann vollkommen ernst gemeint, inzwischen als Running gag. Weiß denn niemand, dass Lauterbach längst einen Schreibtisch im BMG hat?!

2013 war Lauterbach schon einmal ganz nah dran. Damals hatte er für die SPD die Gesundheitspolitik im Koalitionsvertrag verhandelt. Jens Spahn für die Union. Minister wurde: Hermann Gröhe. Das war eher kein Expertiserennen, sondern der Lohn für einen harten Wahlkampf und Anerkennung für ein selbst in Unionskreisen selten gesehenes Talent, bei der CDU-Wahlparty derart herzig neben dem Takt zu klatschen. An Tagen wie diesen stand übrigens Armin Laschet mit auf der Siegerbühne und konnte sein Partyglück gar nicht recht fassen. Andere Zeiten eben.

Die Chefverhandler gingen leer aus. Spahn war zwar seinerzeit als gesundheitspolitischer Sprecher seiner Fraktion auch gehandelt worden, galt aber in der Union noch nicht als ministrabel. Und Lauterbach hatte sich irgendwann einmal verplappert: Er hätte so viel Lust auf den Job als Gesundheitsminister, dass er ihn auch umsonst machen würde. Mit dieser Haltung dringt man bei diesem Koalitionspartner selbstverständlich nicht durch, wie sich aktuell wieder schmerzhaft zeigt.

Der Wind hat sich gedreht. Die Argumente für Lauterbach waren zuletzt einfach zu bestechend: Er ist vom Fach, er isst kein Salz und benötigt aufgrund dieser Tatsache offenbar gar keinen Schlaf mehr, sodass er nachts Studien aufsaugen und tagsüber die Entwicklung der Pandemie korrekt vorhersagen und die angemessenen Maßnahmen vorschlagen kann. ‚There is no glory in prevention‘ ist ein geflügeltes Wort in der Corona-Krise, aber there is auch keine glory in immer Recht behalten. Armer Lauterbach, es war ihm ersichtlich unangenehm, so oft richtig zu liegen mit seinen Vorhersagen.

Und Minister Spahn wurde es immer unangenehmer, so viel erklären zu müssen, das nicht funktioniert. Sein geflügeltes Wort „Wir werden einander verzeihen müssen“ ist ebenfalls präventiv gedacht, um glory geht es dem Glücklosen schon lange nicht mehr. Lauterbach ist seine letzte Rettung. Die beiden arbeiten sich gesundheitspolitisch seit Jahren aneinander ab, kennen sich „ewig“, wie Lauterbach sagt (in Wirklichkeit). Und gestern saßen sie (auch in Wirklichkeit) nicht zufällig zusammen in der Bundespressekonferenz und beschworen ihre gute Zusammenarbeit. Denn was die Wenigsten wissen: Spahn hat Lauterbach längst zu seinem Schattenminister gemacht.

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