ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick

Roter Afghane Alexander Müller, 14.09.2019 07:56 Uhr

Berlin - Karl Lauterbach will SPD-Vorsitzender werden. So sehr, dass er sogar auf eine Zusammenarbeit mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) freiwillig verzichtet. Er will den Krankenkassen verbieten Homöopathie zu erstatten und Kiffern gestatten zu kiffen. Und wir fragen uns: Was hat das alles miteinander zu tun?

Nachdem Jan Böhmermann, und der will auch SPD-Vorsitzender werden, gestützt auf ADHOC-Zahlen, nachdem also dieser Jan Böhmermann seinen großartigen Anti-Globuli-Gospel inszeniert hatte, wusste Polit-Profi Lauterbach sofort, was die Stunde geschlagen hat. Er twitterte: „Im Sinne der Vernunft und der Aufklärung sowie des Patientenschutzes ist es auch in Deutschland falsch, dass Kassen aus Marketinggründen Homöopathie bezahlen.“

Bevor jetzt jemand dem scheidenden SPD-Vize vorwirft, er wäre nur aufgesprungen, sei daran erinnert, dass Lauterbach schon im vergangenen Jahr als Homöopathiekritiker aufgetreten ist. Ja, wer sich als Stimme der Vernunft in Partei und Koalition profilieren will, kleidet sich gern in Evidenz.

Nur humorlos darf man dabei nicht wirken. Hier kann Böhmermann sicherlich für Berufspolitiker nicht der Maßstab sein, man soll auch in der Satire Realist bleiben. Als gebürtiger Rheinländer genetisch bevorzugt muss Lauterbach aber einen Olaf Scholz sicherlich im Land des Lachens nicht fürchten. Dass er über viel Humor verfügt, hat Fliegen-Karl bei Böhmis Kollegin Hazel Brugger unter Beweis gestellt – ganz anders als Jens Spahn an selber Stelle.

Jetzt setzt Lauterbach alles auf eine Karte: Er verzichtet auf seinen Posten als Fraktions-Vize. Böse Zungen behaupten zwar, dass er damit seiner bevorstehenden Nichtwiederwahl zuvorgekommen ist, aber böse Zungen wispern in Wahlkampfzeiten auch immer noch böser. Spahn jedenfalls wird den langjährigen Weggefährten vermissen und schickt rührende Grüße hinterher. Die Apotheker haben ihrerseits werden den SPD-Mann nicht nur vermissen. Ob es mit seiner Nachfolgerin – einer früheren Kassenfunktionärin – leichter wird, ist allerdings fraglich.

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