Illegale Versandapotheke

DIMDI-Liste: Aufsicht schaltet LKA ein

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Berlin -

Die illegale Versandapotheke „Apo-EU“ soll spätestens morgen aus dem offiziellen Verzeichnis legaler Versender des Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) verschwinden. Das teilte das Regierungspräsidium Darmstadt auf Nachfrage mit. Die Behörde hatte die Streichung zunächst versäumt. Als allzu dramatisch wird der Fall bei den beteiligten Stellen aber offenbar nicht angesehen.

Der Sachverhalt in Kürze: Die Nord-Apotheke in Gießen hatte im April 2018 geschlossen, die Inhaberin hatte den Betrieb samt Versanderlaubnis bei ihrer Aufsichtsbehörde in Darmstadt abgemeldet. Im DIMDI-Register ist die Apotheke noch immer zu finden – nur leitet der Link mittlerweile in einen illegalen Shop, in dem Potenzmittel ohne Rezept bestellt werden können. Die Aufsichtsbehörden melden normalerweise an das DIMDI, wenn ein Eintrag gelöscht werden muss.

Warum das in diesem Fall nicht geschehen ist, darauf liefert das RP bislang noch keine Antwort. In einer Stellungnahme heißt es lediglich: „Die Meldung bezüglich der Aktualisierung des Registers der Internet-Apotheken bezüglich der geschlossenen Nord-Apotheke in Gießen ist inzwischen erfolgt. Nach Auskunft des DIMDI ist spätestens morgen die Umsetzung der Änderung zu erwarten.“

Die Alarmbereitschaft in Darmstadt hält sich in Grenzen: Bei einer Internetrecherche nach dem Suchbegriff „Nord Apotheke Gießen“ sei eindeutig die Meldung zur dauerhaften Schließung zu finden und die umgeleitete Homepage enthalte „für jeden Verbraucher offensichtliche Fälschungsmerkmale“, teilte die Behörde mit. So gebe es weder ein Impressum noch das DIMDI-Logo, auch der Text sei teilweise englisch und zudem seien ausländische Rufnummern angegeben. Das RP hat die Homepage dennoch „vorsorglich“ dem hessischen Landeskriminalamt gemeldet.

Dass die verlinkte Seite www.profit-gesundheitsservice.de kein seriöses Angebot darstellt, ist in der Tat auch ohne größeres Misstrauen der Verbraucher offensichtlich. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass eine Domain aus der offiziellen Datenbank direkt in den Webshop von Betrügern führt. Ein besser getarnter Shop hätte die Original-Domain weiterverwenden können und wäre wohl nicht damit aufgefallen.

In diesem Fall sind die Behörden erst nach einem Hinweis von APOTHEKE ADHOC aktiv geworden. Eine DIMDI-Sprecherin teilte auf Anfrage mit, bis zu 5000 Einträge in der Datenbank nicht auf ihre Korrektheit überprüfen zu können. Hier sei man auf die Aufsichtsbehörden angewiesen. Demnach ist nicht ausgeschlossen, dass weitere Domains in der Liste heute andere Ziele haben.

Dabei soll die DIMDI-Liste den Verbrauchern eigentlich Sicherheit geben, dass sie sich bei einem legalen Anbieter befinden. Das DIMDI-Siegel wurde im April 2009 eingeführt und im Oktober 2015 durch das EU-Sicherheitslogo ersetzt. Zugelassene Versender binden das Symbol auf ihrer Website ein, ein Klick darauf führt den Nutzer zur DIMDI-Datenbank, in der alle Apotheken mit Versanderlaubnis aufgelistet sind. Umgekehrt lassen sich aus der Übersicht gezielt die Websites der registrierten Versandapotheken ansteuern. „Das Register enthält nur die Apotheken, die eine behördliche Erlaubnis zum Versand von Arzneimitteln für Deutschland besitzen (§ 43 Abs. 1 Satz 1 AMG)“, heißt es auf der DIMDI-Website.

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