Arzneimittelkriminalität

Gefälschte ABDA-Versandapotheke

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Berlin -

Immer wieder nutzen Kriminelle im Internet die Identität von echten Apotheken, um ihren Webshops für Arzneimittel einen seriösen Anstrich zu geben. Aktuell ist Aponet.de, das offizielle Gesundheitsportal der ABDA, betroffen: Der Webshop aponet-shop.com trägt nicht nur das rote Apotheken-A, sondern gibt sich komplett als ABDA-Projekt.

Angeboten werden auf aponet-shop.com Potenzmittel wie Viagra, Cialis, Levitra und Kamagra – einzeln oder in Kombination als „Testpakete“. Außerdem gibt es das Schlankheitsmittel „Lida Daidaihua“, ein „Viagra für die Frau“ mit dem Namen Lovegra sowie „Generika“ zu Zyban und Propecia.

Aponet-shop.com verspricht schnellen und kostenlosen Versand, ein Rückgaberecht sowie einen „umfassenden und persönlichen Service“. Eine kostenlose Hotline gibt es auch. „Aponet Shop hat sich dazu verpflichtet, Ihnen bei Ihren eigenen medizinischen Entscheidungen zu helfen. Sie können entscheiden, welches Potenzmittel für Sie richtig ist.“

So ziemlich alles an der Seite ist gefälscht. Betreiber ist laut Impressum die ABDA mit korrekter Anschrift in Berlin, Unter den Linden. Als Geschäftsführer werden die Avoxa-Chefs Metin Ergül und Peter Steinke genannt, „zuständige Aufsichtsbehörde“ soll die Apothekerkammer Berlin sein. Die Registernummer gehört einer anderen Firma, die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer ist dieselbe wie beim Webshop deutsche-apotheke24.com, der vorgibt, zu einer Berliner Apotheke zu gehören.

„Aponet“ sei schon seit Jahren eine Institution in Sachen Versandapotheke, heißt es auf der Website. „Mit unserem neuen Angebot, Aponet Shop, möchten wir uns speziell an Männer mit Erektionsproblemen wenden, die schnell, sicher und diskret Potenzmittel kaufen möchten“, so die Werbung: „Vertrauen Sie unserer jahrelangen Erfahrung als Versandapotheke und dem guten Namen Aponet.“

Die Kunden werden im Glauben gelassen, beim „Testsieger“ zu kaufen. Die Website trägt das Siegel des Deutsche Institut für Service-Qualität (DISQ), „1. Platz, Testsieger Online-Apotheken, Test Juli 2015, 18 Anbieter“. Den Test hat es zwar tatsächlich gegeben; aponet-shop.com wurde aber erst vor wenigen Wochen ins Netz gestellt – über einen Dienstleister aus Hongkong von einer Person, die sich als Jan Delay aus Halle/Saale ausgibt.

Der Kunde brauche für die Bestellung in Deutschland kein Rezept und erhalte dennoch „Potenzmittel in Top-Qualität“, heißt es auf der Website. Alle Medikamente würden nur bei „gesetzlich zugelassenen pharmazeutischen Großhändlern“ bezogen. „So können Sie sicher sein, dass Sie die gleichen Potenzmittel erhalten, die Sie in einer normalen Apotheke kaufen würden.“

„Weder die ABDA noch aponet.de sind mit diesem ‚Shop‘ oder seinen Betreibern in irgendeiner Weise verbunden“, teilt die ABDA dazu mit. Von einer Bestellung auf der Website werde „dringend abgeraten“. Außerdem sollten Apotheker eine kursierende E-Mail ignorieren, in der sie aufgefordert werden, eine auf ihrer Website bestehende Verlinkung zu aponet.de in den neuen Link zu „aponet-shop.com“ zu ändern.

Ob die ABDA gegen die Versandapotheke rechtliche Schritte einleitet, ist noch offen. Dazu wollte sich eine Sprecherin nicht äußern. Beim Webshop ist nur die telefonische Bestell-Hotline zu erreichen; alle anderen Nummern sind gefälscht. Nachfragen zu den falschen Angaben im Impressum werden dort nicht beantwortet. Eine Verbindung zur den Verantwortlichen wird nicht hergestellt.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich dubiose Internethändler mit falschen Angaben schmücken: Die Website alles-rezeptfrei.net benutzte vor zwei Jahren für ihre Werbung die Adressen und Namen von echten Apothekern aus ganz Deutschland. 2010 warb „The Canadian Neighbor Pharmacy“ mit einem Zertifikat des EU-Apothekerverbands PGEU. Beim Klick auf das Logo wurde man auf ein Dokument weitergeleitet, dass die gefälschte Unterschrift von PGEU-Präsident Filip Babylon trug.

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