Rx-Versandverbot

Spahn: Keine Arznei-Rabattschlacht in Deutschland

, Uhr
Berlin -

Er hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) während seiner Facebook-Sprechstunden bereits mehrfach mit Fragen gelöchert. Als das nichts half, hat Apotheker Christian Redmann eine Petition für ein Rx-Versandverbot gestartet. Das hat man im Bundesgesundheitsministerium beobachtet. Gestern nun reagierte Spahn in seiner aktuellen Facebook-Sprechstunde auf Redmanns erneute Frage. Die Antwort blieb gleichwohl wieder schwammig. Nur eins stellte Spahn klar: In Deutschland soll es keine Rabattschlacht bei Rx-Arzneimitteln geben.

„Nun – ein erster Schritt in eine nicht ganz verkehrte Richtung. Jens Spahn nimmt unser Anliegen wahr beziehungsweise stellt sich erstmalig live der Frage nach dem Rx-VV“, postete Redmann anschließend erfreut auf Facebook. Aber mit der Antwort selbst kann Redmann nicht viel anfangen: „Ach, jetzt bewerten wir das mal nicht über...“ „Wir würden gerne über das im Koalitionsvertrag vereinbarte Rx-Versandverbot reden wollen“, meldete sich Redmann nach 2.03 Minuten in Spahns Facebook-Sprechstunde zu Wort.

Nach 3.24 Minuten griff Wolfgang Wittig das Thema ebenfalls auf: „Im Koalitionsvertrag wurde das Rx-Versandverbot aufgenommen. Wie steht es mit der Umsetzung?“ Es dauerte eine weitere Minute, bis Spahn darauf reagierte, zunächst redete er noch über sein Megathema Pflege.

Dann schaut der Bundesgesundheitsminister auf sein Smartphone: „Dann schau ich mal, was wir sonst noch so haben. Christian Redmann sagt, er würde gern über das Versandverbot bei den Apothekern reden. Ich glaube, er hat schon öfter dazu geschrieben“, so Spahn: „Das steht im Koalitionsvertrag und so wie das vereinbart ist, werden wir uns das anschauen, ob und wie das europarechtlich umzusetzen ist.“

Eines sei klar, sagt Spahn, dass der „Zustand wie er heute ist mit ungleich langen Spießen, dass der Versender aus dem Ausland Rabatte geben kann, das ist kein haltbarer Zustand, auch nicht dass wir solche Rabatte – damit es keine falschen Schlüsse gibt – dass wir solche Rabatte im Inland nicht wollen.“ Er schaue sich „zusammen mit den Juristen, mit anderen Ressorts und auch mit den Apothekerverbänden an, welche Lösung wir zeitnah finden können.“

So ähnlich und ausweichend hat sich Spahn schon mehrfach geäußert in den letzten Wochen. Anfang Mai blieb Spahn beim CDU-internen Live-Talk ebenfalls eine klare Antwort schuldig. Sein Ressort prüfe die Umsetzung: „Wir werden sehen, was geht.“ Die Zusage stehe im Koalitionsvertrag, so Spahn. Wenn das Europarecht es zulasse, werde dies umgesetzt. Sein Ressort prüfe dies derzeit. Das Rx-Versandverbot komme „früh genug“, ließ Spahn an anderer Stelle wissen.

Trotzdem geht Spahns Antwort einen kleinen Schritt über das bisher Gesagte hinaus: Vor dem Gesundheitsausschuss hatte Spahn im April angekündigt, dass er das Apothekenhonorar reformieren wolle. Jetzt stellt er klar, dass er sich keine Lösung mit Boni und Rabatten im Inland, keine Rabattschlacht um Rx-Arzneimittel vorstellen kann.

Offen bleibt aber nach wie vor, wann die Apotheker eine konkrete Antwort auf ihre drängenden Fragen erhalten: „Wir haben seit 1,5 Jahren eine gefährliche und für die Versorgung schädliche Schieflage in der Arzneimittelversorgung – wie ist Ihre Position zum Versandverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel“, drängte Redmann Spahn in seiner aktuellen Facebook-Sprechstunde zu einer präziseren Antwort.

Zum Zeitplan seiner Entscheidung äußerte sich Spahn erneut nicht. Mit der ABDA hatte Spahn Ende April gesprochen. Es wurde Stillschweigen vereinbart. Bis zur parlamentarischen Sommerpause im Juli sind weitere Treffen vereinbart – mit den Versandapotheken, mit dem Marketingverein Deutscher Apotheker (MVDA) und auch mit dem Bundesverband der Kooperationsapotheken (BVDVA).

Der für Apotheken im BMG zuständige Abteilungsleiter Thomas Müller führt die Gespräche. Die Erwartungen zielen darauf ab, dass Spahn bis zum nächsten Deutschen Apothekertag (DAT) in München in der zweiten Oktoberwoche Klarheit schafft.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Mehr zum Thema
Internetkonzern profitiert von Corona
Amazon: Marktplatz wächst – immer mehr Exporte »
Millionenanleihe zurückgekauft
Zur Rose: Cash-Reserve schon wieder weg »
„Für wie viele Tage reichen Ihre Tabletten noch?“
Verzögerung bei DocMorris – Liefertermin ungewiss »

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
37,6 Millionen Euro in Cannabis
Tabakhersteller steigt bei Sanity ein»
Forderungen müssen angemeldet werden
Beragena: Apotheken als Insolvenzgläubiger»
Augentropfen mit Farbstoff
Dr. Theiss macht Augen blau»
EU-Kommission sichert 10.000 Einheiten
Affenpocken: Was kann Tecovirimat?»
Stada-Produkt in EU zugelassen
Kinpeygo: Budesonid gegen Nephropathie»
Limit für geringfügige Beschäftigung erhöht
Minijob: 70 Euro mehr verdienen»
A-Ausgabe Oktober
90 Seconds of my life»
Kompetenter Begleiter für alle Leser:innen ab 60
my life Senioren»
Das Kindermagazin der my life Familie
Platsch»
Debatte geht in die nächste Runde
EMA befürwortet Biosimilar-Austausch»
Jede Verordnungszeile einzeln
Mehrfachverordnungen: Wie wird beliefert?»
Was wird von der Kasse erstattet
Retaxgefahr: Sprechstundenbedarf auf Rezept»