Lieferengpässe

Seyfarth schaltet Politik ein APOTHEKE ADHOC, 09.07.2018 08:05 Uhr

Berlin - Mehr als 100 Arzneimittel sind in den Apotheken von Holger Seyfarth, Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbandes (HAV), defekt. Jetzt hat Seyfarth bei der Berliner Politik Alarm geschlagen: Bei seinem Treffen mit SPD-Gesundheitspolitiker Edgar Franke hat der Apotheker seine Defektlisten überreicht. Wie derzeit in den meisten Apotheken gibt es auch bei Seyfarth die größten Lieferprobleme bei Ibuprofen.

„Meinen Patienten ist völlig egal, wo irgendwo auf der Welt ein Werk stillsteht, wenn ich keinen Ibu-Saft für Kinder abgeben kann“, so Seyfarth. Aus seiner Sicht geht es bei den anhaltenden Lieferengpässen in erster Linie nicht nur um technische Probleme. Eine der Hauptursachen sieht der Verbandschef in den Rabattverträgen. „Bitte kümmern Sie sich darum“, hat er Franke mit auf den Weg gegeben. Rabattverträge müssten auf jeden Fall mit mehreren Anbietern abgeschlossen werden, findet Seyfarth. Noch besser fände es der Apotheker, wenn es nur noch Open-House-Verträge gäbe, denen alle Hersteller zum ausgelobten Preis beitreten könnten.

„Schlecht“ laufe es in seiner Apotheke wegen der ständigen Lieferprobleme: „Das kostet uns einen hohen zusätzlichen Aufwand.“ Man müsse den Patienten die Situation erklären. Das Verständnis für Lieferengpässe bei gängigen Arzneimitteln sei „nicht besonders ausgeprägt“. Entweder weiche er auf andere, nicht-rabattierte Arzneimittel aus: „Dann droht mir im schlimmsten Fall eine Retaxation.“ Oder er ruft beim Arzt an und bittet um ein neues Rezept über ein vorrätiges Medikament.

„Das kann nicht so weiter gehen“, so Seyfarth. Franke habe ihm versprochen, seine Defektlisten und das Thema in die zuständigen politischen Gremien der Großen Koalition mitzunehmen. Zweimal im Jahr trifft sich Seyfarth mit Bundestagsabgeordneten aus Hessen. Dieses Mal war dazu Gelegenheit im Umfeld der ABDA-Mitgliederversammlung. In der Mittagspause traf er sich mit Franke.

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