Apotheker spendieren Antibiotika-Pässe

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Berlin - Das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium nimmt sich des wachsenden Problems von Antibiotikaresistenzen mit einer landesweiten Kampagne an. Unter Beteiligung der Apotheker- und Ärztekammern sowie zahlreicher Krankenkassen soll die Bevölkerung aufgeklärt werden, wann es besser ist, auf Antibiotika zu verzichten. Dazu wurden allen Apotheken im Kammerbezirk sogenannte Antibiotikapässe spendiert.

„Teetrinken ist manchmal die bessere Wahl“, steht auf Flyern und Plakaten, die ab dieser Woche in hunderten Apotheken, Arztpraxen und Kliniken ausliegen. Damit soll vor allem gegen eine berüchtigte und weitverbreitete Fehlanwendung aufgeklärt werden: Antibiotika gegen Erkältungen. Denn nach wie vor halten sich gefährliche Irrtümer im Umgang mit Antibiotika. Laut AOK Nordwest sind bis zu 20 Prozent der Antibiotika-Verordnungen bei Erkrankungen der oberen Atemwege unnötig.

Und mit jeder falschen Anwendung steigt die Gefahr der Entstehung neuer Resistenzen. Bis zu 600.000 Menschen infizieren sich in Deutschland jährlich mit multiresistenten Keimen, bis zu 15.000 überleben das nicht. Zwar trägt die Sensibilisierung der Ärzte in den vergangenen Jahren schon zarte Früchte. Zwischen 2015 und 2018 ist die Zahl der verordneten Antibiotika von 35 Millionen Packungen im Jahr auf 31,3 Millionen gefallen – aber das ist noch nicht genug. In NRW ist die Situation besonders heikel: Laut Angaben des Gesundheitsministeriums liegt der Antibiotikaverbrauch dort rund 10 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

Deswegen will das Landesgesundheitsministerium unter Karl-Josef Laumann (CDU) nun mit öffentlicher Aufklärung gegensteuern. Bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf stellte er die Kampagne „Rationale Antibiotikaversorgung in Nordrhein-Westfalen“ vor und warnte vor den Folgen zu hohen Antibiotikaverbrauchs: „Antibiotika gehören zu den schärfsten Schwertern der Menschheit im Kampf gegen Infektionskrankheiten“, so Laumann. Der unsachgemäße Einsatz beschleunige jedoch die Entstehung von Resistenzen. „Damit verliert die Medizin ihre therapeutischen Möglichkeiten bei der Behandlung von bakteriellen Infektionen – das Schwert droht stumpf zu werden.“ Um dem entgegenzuwirken, sei ein „zurückhaltender und verantwortungsbewusster Antibiotikaeinsatz unbedingt erforderlich“.

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