Übertriebene Hygiene

Resistenzen durch Desinfektionsmittel? APOTHEKE ADHOC, 30.07.2019 08:49 Uhr

Berlin - Der regelmäßige Gebrauch von Desinfektionsmitteln könnte zur Resistenzentwicklung bei Keimen führen. Eine Umfrage der Schwenninger Krankenkasse zeigte nun, dass vor allem die junge Generation regelmäßig zur Desinfektion greift.

Mehr als 2000 Personen ab 14 Jahren wurden von der Krankenkasse in die Gesundheitsumfrage eingeschlossen. Das Ergebnis: 56 Prozent der Befragten nutzen zu Hause häufig Desinfektionsmittel. Die junge Generation zwischen 14 und 34 Jahren greift sogar regelmäßig zu keimtötenden Tüchern und Sprays und hält diese für harmlos; bei den Älteren sind es hingegen nur 44 Prozent. Dabei sei die „chemische Keule“ nicht sinnvoll: „Leider ist der Gebrauch von Desinfektionsmitteln zu sorglos – und vor allem auch zu häufig“, sagt Dr. Tanja Katrin Hantke, Gesundheitsexpertin der Schwenninger Krankenkasse. „In der Regel sind diese Mittel im Haushalt nicht notwendig. Im Gegenteil: Sie können sich sogar schädlich auswirken.“

Bei regelmäßigem Gebrauch von Desinfektionsmitteln werde die Bildung resistenter Keime gefördert, zudem stiegen die Belastungen für die Umwelt. Aber auch der Anwender selbst setzt sich Gefahren aus: „Beim Kontakt mit Desinfektionsmitteln wird die natürliche Schutzbarriere der Haut gestört. Dadurch können Krankheitserreger schneller in die so geschädigte Haut eindringen.“ Im Normalfall reiche das regelmäßige Händewaschen jedoch auch. Lediglich bei hochansteckenden Krankheiten oder einer Chemotherapie seien besondere Hygienemaßnahmen erforderlich, erklärt Hantke.

Im vergangenen Jahr zeigte auch eine im Fachjournal „Science Translational Medicine“ veröffentlichte Studie, dass Bakterien nicht nur gegen Antibiotika, sondern auch Antiseptika resistent werden können. Obwohl aufgrund von antibiotikaresistenten Erregern wie Staphylococcus aureus (MRSA) strikte Hygienemaßnahmen eingeführt wurden, ist die Zahl der Infektionen mit dem gegen verschiedene Antibiotika resistenten Keim Enterococcus faecium angestiegen.

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