Resistenzen: Forscher legen Hinterhalt

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Berlin - Immer weiter zunehmende Antibiotikaresistenzen stellen mittlerweile ein ernstzunehmendes Risiko dar. Daher stellt die Endeckung neuer wirksamer Substanzen einen wesentlichen Aspekt der Forschung dar. Ein weiterer Fokus liegt auf der Erhaltung oder Verbesserung der Wirksamkeit von bereits bekannten Wirkstoffen. Ein Forscherteam aus Kiel untersucht im Zuge dessen, welche evolutionären Mechanismen sich für nachhaltige Antibiotikatherapien nutzen lassen.

Lange Zeit wurden verschiedene Antibiotika als Standardtherapie genutzt. Mittlerweile ist die Auswahl an antibakteriell wirksamen Medikamenten dadurch gesunken. Bis Ende der 80er-Jahre war die Resistenzentwicklung von Bakterien relativ stabil. Erst im Zuge der Globalisierung stieg sie stark an. Denn durch vermehrte Fernreisen und globalen Handel kam es zur Keimverschleppung: Resistente Formen aus anderen Ländern konnten sich auch in Deutschland ansiedeln. In den 90er-Jahren wurden außerdem zahlreiche Breitbandantibiotika zugelassen. Durch vermehrten Einsatz und fehlerhafte Einnahme entwickelten sich Resistenzmechanismen – in diesem Zeitraum bildeten beispielweise Penicillin-sensitive Bakterienstämme die ß-Laktamasen aus. Betrachtet man den Keim Escherichia coli (E. coli), so stieg der prozentuelle Anteil an resistenten Stämmen im Hospitalbereich von 20 Prozent Ende der 80er-Jahre auf knapp 60 Prozent im Jahre 2010.

Antibiotikaresistenzen stellen damit weltweit eine der gravierendsten Gefahren für die öffentliche Gesundheit dar: Eigentlich harmlose Infektionen können plötzlich nicht mehr behandelbar sein und schließlich zum Tode führen. In Deutschland sterben pro Monat durchschnittlich 200 Menschen an einer Infektion mit antibiotikaresistenten Bakterien, europaweit sind es jährlich etwa 33.000 Menschen. Grund für die steigenden Resistenzen sei unter anderem die schnelle Evolution, merken die Kieler Wissenschaftler an: Antibiotische Substanzen werden dadurch innerhalb kürzester Zeit wirkungslos.

Die Forscher beschäftigen sich mit evolutionsbasierten Strategien. Durch die Kombination von Wirkstoffen sollen bakterielle Krankheitserreger besser bekämpft werden, gleichzeitig soll dadurch die Resistenzbildung sinken. Im Zuge dieser Untersuchungen wird das Prinzip der sogenannten „kollateralen Sensitivität“ genutzt: Es beschreibt das Auftreten von mehreren Resistenzen gegen verschiedene Medikamente. Macht die Evolution der Resistenz ein Bakterium gegen einen Wirkstoff unempfindlich, wird der Krankheitserreger gleichzeitig hochempfindlich gegen ein zweites Medikament. Ziel der Untersuchungen ist herauszufinden, welches erste Antibiotikum für welches darauffolgende Antibiotikum eine erhöhte Sensitivität verursachen kann.

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