Zu teuer, wenig lukrativ

Antibiotika: Resistenzen fordern neue Wirkstoffe

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Berlin -

Seit Beginn der Pandemie standen vor allem Viren im Vordergrund zahlreicher Diskussionen um Prävention, Hygiene und Therapie. Corona hat den Fokus von bereits bestehenden Antibiotikaresistenzen abgelenkt. Dabei besteht das Problem nach wie vor. Ohne neue Wirkstoffe könnte es in den kommenden Jahren zu immensen Problemen kommen, warnen Expert:innen.

Das Problem der Resistenzen tritt bei allen Antibiotika früher oder später auf. Einige Wirkstoffe sind dabei besonders anfällig für Resistenzen, bei anderen dauert es länger, bis die Wirksamkeit nachlässt. Bis zu einem gewissen Grad ist dies ein natürlicher Prozess, denn Bakterien passen sich stets ihrer Umgebung an. Die Entstehung widerstandsfähigerer Formen ist auch deshalb so gefährlich, da die resistenten Erreger ihre Informationen an andere, noch nicht resistente Bakterien weitergeben können. Ein Grund für die Zunahme der Resistenzen ist weiterhin das falsche Verordnungsverhalten der Ärzt:innen.

Zu oft Antibiotika bei Erkältung & Co.

Der Großteil der Erkältungen wurde durch Viren ausgelöst. Nur in seltenen Fällen liegt bei einer Otitis media oder einer Sinusitis ein bakterieller Befall vor. Ist dies der Fall, so handelt es sich meist um eine Sekundär- oder Superinfektion. Dann sind Antibiotika angezeigt. In allen anderen Fällen sollten Ärzt:innen kein Penicillin, Amoxicillin & Co. verordnen. Eigentlich sollte vor der Verordnung stets ein Abstrich zur Erregerbestimmung durchgeführt werden.

Wissenshaftler:innen setzen sich immer wieder mit der Problematik der Antibiotikaresistenzen auseinander. So beschäftigt sich auch der Sonderforschungsbereich „TRR261 – AntibioticCellMAP“, welcher von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird, mit diesem Thema. Forscher:innen wollten herausfinden, was genau in der Bakterienzelle passiert, bevor eine Resistenz entsteht. Denn die Einzelheiten sind bis heute nicht geklärt.

Suche nach neuen Antibiotika

Vor einigen Jahren hat ein Forscherteam der Universität Bonn in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung, der Northeastern University aus den USA und dem Industriepartner Novobiotic eine neue Substanz gefunden, die bei Bakterien keine Resistenzausbildung auslöst. Teixobactin, so heißt der Wirkstoffkandidat, verfügt dabei über einen besonderen Wirkmechanismus. Es handelt sich um ein zyklisches Depsipeptid-Antibiotikum mit einem Wirkspektrum gegen grampositive Erreger. Es hemmt über mehrere Schritte die bakterielle Zellwandsynthese. Ursprünglich stammt Teixobactin aus dem Boden, die antibakteriell wirkende Substanz hat also einen natürlichen Ursprung. Die Natur bildet bis heute einen großen Hoffnungsträger von Forscher:innen beim Entdecken neuer Wirkstoffkandidaten.

Problem: Die Suche nach einem neuen Wirkstoff ist teuer. Expert:innen gehen davon aus, dass von der Suche bis zu Markeinführung eines Wirkstoffkandidaten aktuell 1,5 Millionen Dollar Kosten anfallen. Das ist ein immenser Betrag, wenn man bedenkt, dass dieses Forschungsgebietes nur über eine mangelnde Profitabilität verfügt. Ist das Arzneimittel einmal auf dem Markt, so brauchen die Patient:innen es meist nur eine kurze Zeit. Und um Resistenzen zu vermeiden, werden Ärzt:innen die Substanzen mit Bedacht verschreiben – die Tabletten wandern eher in den Notfallschrank und werden nicht das neue Penicillin. Ein weiteres Problem in Deutschland ist die Kassenzulassung und die zugehörige Preisbildung. Weniger als zehn Großkonzerne widmen sich weltweit der Erforschung neuer antibakterieller Substanzen.

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