Antibiotika-Verordnungen

Pilotprojekt: Schnelltest soll Notwendigkeit prüfen APOTHEKE ADHOC, 10.10.2019 12:01 Uhr

Berlin - Die Verschreibung von Antibiotika ist immer wieder umstritten: Häufig wird kritisiert, dass sie zu schnell und zu häufig verordnet werden. Hamburger Ärzte sollen künftig mit einem Schnelltest prüfen können, ob ein Antibiotikum nötig ist berichtet „Die Welt“. Dadurch soll die Zahl falscher Verschreibungen reduziert werden. Das Modellprojekt wird von der Christian-Albrechts-Universität in Kiel wissenschaftlich begleitet. Sollte sich der Schnelltest bewähren, könnte das Verfahren bald auch bundesweit eingesetzt werden.

Allein in Hamburg verordnen Ärzte jedes Jahr rund 500.000 Antibiotika, heißt es im Beitrag. Allerdings wäre das nicht immer notwendig: Denn in jedem dritten Fall ist das Medikament für die jeweilige Erkrankung ungeeignet. Für die Betroffenen kann dies schwere Folgen haben, denn mit der Einnahmehäufigkeit steigt auch das Risiko eine Resistenz gegen die verfügbaren Arzneimittel zu entwickeln.

Mit einem bundesweiten Pilotprojekt wollen Hamburger Ärzte und Krankenkassen dem nun entgegenwirken: Mithilfe eines neuen Blutschnelltests sollen die Verordnungen reduziert werden. Innerhalb weniger Minuten kann mit dem Test ermittelt werden, ob eine virale oder bakterielle Erkrankung vorliegt. Der Test, der von der Mehrzahl der Krankenkassen bezahlt wird, steht den etwa 1500 Haus-, HNO- und Kinderärzten ab sofort zur Verfügung berichtet „Die Welt.“ Die Funktionsweise ähnelt einem Blutzuckertest: Er zeigt an, ob im Körper bakteriell bedingte Entzündungswerte vorhanden sind. Genutzt wird hierfür das bei schweren bakteriellen Infektionen ansteigende C-reaktive Protein (CRP).

Bislang mussten Blutproben aufwendig im Labor untersucht werden: Das Ergebnis lag dann erst zwei Tage später vor. „Das war unpraktisch und wurde deshalb so gut wie nie genutzt“, heißt es. Mit dem neuen Test können Ärzte unmittelbar nach der Untersuchung entscheiden, ob ein Antibiotikum sinnvoll ist oder nicht. Schließlich helfen die Wirkstoffe nur bei bakteriellen Erkrankungen – nicht aber bei durch Viren verursachte Erkältungen, wie viele Patienten immer noch glauben. Walter Plassmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVH) erklärt im Beitrag: „Wir hören immer wieder, dass Patienten Druck ausüben, um Antibiotika verordnet zu bekommen. Mit dem Test können ihnen mögliche Sorgen genommen werden.“

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