Niedersachsen

Apotheker sollen Impf-Checks übernehmen

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Berlin -

Auf Initiative des Landesgesundheitsministeriums bieten Niedersachsens Apotheker Impf-Checks an. Dies ist Teil der Öffentlichkeitskampagne „Impfen. Klar.“, die auch vom Landesgesundheitsamt und der Apothekerkammer Niedersachsen unterstützt wird. „Oftmals gerät die Kontrolle des Impfpasses schlichtweg in Vergessenheit“, so Niedersachsens Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann. „Wir wollen für die hohe Bedeutung eines vollständigen Impfschutzes sensibilisieren. Genau hier setzen wir mit unserer Öffentlichkeitskampagne an.“

Die Kampagne startete Ende Juni. Die Apotheken Niedersachsens erhielten dazu über den Großhandel ein kostenloses Aktionspaket mit einem Anschreiben der niedersächsischen Gesundheitsministerin, ein Plakat sowie 25 Lesezeichen. Patienten haben in der Apotheke vor Ort die Möglichkeit, ihren Impfstatus prüfen zu lassen und sich umfassend über die Notwendigkeit einer Impfung zu informieren. Auf dem Lesezeichen können die fehlenden Impfungen markiert und in den Impfpass gelegt werden. So haben die Patienten einen Überblick ihrer Impflücken und können sich bei ihrem Arzt impfen lassen. Die Teilnahme der Apotheken ist freiwillig. Ein Honorar für den Impf-Check ist nicht vorgesehen.

Kammerpräsidentin Magdalene Linz unterstützte die Aktion mit einer Info-Fax an alle Apotheken Niedersachsens. „Unter dem Motto ‚Impfen. Klar.‘ startet Ende Juni eine Aktion, um die vielerorts bestehenden Vorbehalte gegen das Impfen abzubauen“, so Linz. Das Ministerium wolle dabei insbesondere bei Erwachsenen für das Impfen werben, da diese Bevölkerungsgruppe zum größten Teil keinen ausreichenden Impfschutz besitze. Auch wenn die Gefahr einer Erkrankung wie Diphterie oder Polio für viele den Schrecken verloren habe, so könnten doch gerade bei ungeimpften Erwachsenen und abwehrgeschwächten Menschen Erreger zu schweren Erkrankungen führen. „Ich würde mich freuen, wenn Sie diese wichtige Kampagne unterstützen und das Plakat in Ihrer Apotheke aufhängen sowie den Impfstatus Ihrer Patienten prüfen“, so Linz an die Apotheker.

„Ich freue mich sehr über die Unterstützung maßgeblicher Akteurinnen und Akteure des Gesundheitswesens. Die Apothekerkammer, die Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen und die Ärztekammer beteiligen sich“, so Reimann, „viele Menschen brauchen fachlichen Rat, um anhand ihres Impfpasses festzustellen, welche Impfungen erforderlich sind.“ Die Öffentlichkeitskampagne sei auch eine Antwort auf die seit Beginn des Jahres gehäuft aufgetretenen Masernerkrankungen. „Viele dieser Erkrankungen hätten durch eine rechtzeitige Impfung vermieden werden können. Und nicht nur das: Geimpfte schützen auch ihre direkte Umgebung, da sie im Falle eines Ausbruchs die Erkrankung nicht weiterverbreiten“, so die Gesundheitsministerin.

Dazu sollte möglichst schon Ende des zweiten Lebensjahres zweimal gegen Masern in Kombination mit Mumps, Röteln und Windpocken geimpft werden. Solange es weltweit noch nicht gelungen sei, Masern komplett zurückzudrängen, bestehe immer die Gefahr, dass durch nicht geschützte Reisende einzelne Masernfälle auftreten. Dr. Matthias Pulz, Präsident des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, betonte: „Impflücken bei Masern betreffen insbesondere Jugendliche und Erwachsene bis zum 50. Lebensjahr. Daher sollten sich nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut Personen, die nach 1970 geboren sind und nicht zweimal gegen Masern geimpft wurden, unbedingt noch einmal gegen Masern impfen lassen.“

Ziel des Landes ist es, eine Quote von 95 Prozent für die zweite Masern-Mumps-Röteln-Impfung in der Bevölkerung zu erreichen. Seit 2011 liegt die Quote bei Schulkindern bei der Schuleingangsuntersuchung zwischen 93 und 94 Prozent. Ein Masernausbruch zu Beginn des Jahres im Landkreis Hildesheim sorgte für große öffentliche Aufmerksamkeit. Seit Jahresbeginn sind in Niedersachsen 78 Masernfälle registriert worden. Dies sind deutlich mehr Fälle, als im gesamten Vorjahr zu verzeichnen waren (2018: 18 Fälle). 46 dieser Fälle standen im Zusammenhang mit dem Ausbruchsgeschehen im Landkreis Hildesheim. Der letzte Fall war am 30. April aufgetreten.

Im Apothekenstärkungsgesetz von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorgesehen ist die Einführung von Modellvorhaben zur Grippeimpfung in der Apotheke. Die Maßnahme ist auf volljährige Versicherte beschränkt und zunächst auf fünf Jahre befristet.

 

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