Modellprojekte

Kassenchef: „Lasst Apotheker gegen Grippe impfen“

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Berlin -

Im Lager der Krankenkassen herrscht Uneinigkeit beim Thema Impfrecht für Apotheker: Nachdem sich Barmer-Chef Professor Dr. Christopher Straub gegen Impfungen in der Offizin ausgesprochen hat, meldet sich nun Günter Wältermann, Chef der AOK Rheinland/Hamburg, zu Wort. Er nimmt die Gegenposition ein und spricht sich für die Kompetenzerweiterung aus – allerdings mit Einschränkungen.

Der AOK-Chef spricht sich dafür aus, dass künftig in Apotheken Grippeimpfungen vorgenommen werden. „Lasst Apotheker gegen Grippe impfen, wenn wir so die Durchimpfungsrate erhöhen und viele Grippetote vermeiden können“, fordert Wältermann in einem Interview mit der Rheinischen Post. Allein die Grippewelle 2017/2018 habe mehr als 25.000 Menschen das Leben gekostet, erinnert er.

Mit den Einwänden vonseiten der Ärzteverbände konfrontiert, verweist der Kassenchef auf die politischen Entwicklungen in anderen Ländern, die Grippeimpfungen in Apotheken ermöglicht haben, darunter Frankreich und Teile der Schweiz. „Was in Nachbarländern geht, muss auch hier möglich sein“, so Wältermann. Es sei gut, dass die Bundesregierung nun Modellvorhaben auf den Weg bringen wolle.

Dass die Streitigkeiten zwischen Ärzten und Apothekern über Qualifikation und Verantwortlichkeiten unlösbar sind, glaube er indes nicht. „Apotheker- und Ärztekammer werden gewiss ein Verfahren verabreden, um Haftungsfragen zu klären und sicherzustellen, dass die notwendigen medizinischen Standards eingehalten werden“, zeigt er sich optimistisch. Allerdings: Ein umfassendes Impfrecht hat Wältermann nicht im Sinn. „Wir sollten erst einmal mit der Grippeschutzimpfung starten“, sagt er und verweist auf Pläne der Bundesregierung, in das Masernschutzgesetz einen entsprechenden Passus einzufügen.

Dass er nicht aus Parteilichkeit für die Apotheker so antwortet, machte der Kassenchef wenige Absätze vorher klar. Für die Vorwürfe aus Apothekerkreisen, wonach das System der Rabattverträge schuld an den aktuellen Lieferengpässen seien, findet er deutliche Worte: „Unsinn. Von den Rabattarzneien der AOK sind nur 0,3 Prozent von Lieferengpässen betroffen, 99,7 Prozent sind lieferbar.“ Hauptverursacher seien stattdessen technische Probleme, Rohstoffengpässe, Qualitätsmängel und komplexe Lieferketten.

Die AOK Rheinland/Hamburg gehört zu den größten AOKen: Sie hat mehr als drei Millionen Versicherte und betreut mehr als 200.000 Arbeitgeber. Zu ihren Vertragspartnern zählen rund 34.000 Ärzte und Zahnärzte, rund 2700 Apotheken, 9000 Therapeuten und über 200 Krankenhäuser.

Für Straub gehört Impfen als ureigene ärztliche Leistung nicht in die Offizin. „Das Impfen ist die Aufgabe von Ärzten“, sagte er bei der Vorstellung des Arzneimittelreports, der deutlich größere Impflücken aufzeigte als bisher bekannt waren. Gegenüber den Modellprojekten für Grippeimpfungen durch Apotheker, die im Apothekenstärkungsgesetz vorgesehenen sind, zeigte sich Straub jedoch aufgeschlossen. Das könne man „evaluieren“ – allerdings wies er im gleichen Atemzug auf die Risiken des Impfens hin. Deshalb sei es bedenkenswert, es den Ärzten vorzubehalten.

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