Die Entlastungsprämie hat für Diskussionen in Apotheken gesorgt. Denn der von der Regierung geplante abgabenfreie Krisenbonus in Höhe von maximal 1000 Euro pro Mitarbeitenden wäre für viele Betriebe nicht machbar. Obwohl der Bundesrat den Vorstoß gestoppt hat, will Apotheker Dirk Vongehr daran festhalten.
Um die Bevölkerung angesichts der hohen Energie- und Spritpreise zu entlasten, wollte die Regierung es Arbeitgebern ermöglichen, eine steuer- und abgabenfreie Prämie von bis zu 1000 Euro an ihre Beschäftigten zu zahlen. Doch im Bundesrat wurde die Krisenprämie gestoppt. Zu groß war die Sorge vor Steuermindereinnahmen in Milliardenhöhe. Außerdem fühlten sich auch kommunale Arbeitgeber überfordert – wer den Bonus bestelle, müsse ihn auch bezahlen, so die Lesart.
Auch in Apotheken löste die geplante Entlastungsprämie keine Begeisterung bei Inhaberinnen und Inhabern aus. Denn angesichts der angespannten wirtschaftlichen Situation sei eine Ausschüttung nicht möglich, sagte etwa Norbert Peter von der Burger Apotheke in Berlin. Die Politik stehle sich damit aus der Verantwortung, 80 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verstünden nicht, dass etwas, was der Arbeitgeber zahle, sein eigenes Einkommen minimiere. Gleichzeitig bekundeten Chefinnen und Chefs, dass die Mitarbeitenden natürlich eine Prämie verdient hätten.
Trotz der Absage des Bundesrats will Vongehr an seinem Versprechen festhalten. „Meine Entscheidung zu den 1000 Euro bleibt“, sagt der Inhaber der Kölner Paradies-Apotheke.
Vongehr betont, dass er zu seinem Wort stehe. „Ich werde sie trotz Ablehnung des Bundesrates zahlen. Dann haben meine Kollegen zwar keinen steuerlichen Vorteil, aber ich hatte schon gesagt, dass sie alle das Geld bekommen.“ Die Kolleginnen und Kollegen könnten nichts dafür, dass die Apotheken bisher keine Erhöhung des Fixhonorars bekommen hätten.
Dr. Sebastian Schwintek von der Treuhand Hannover verwies darauf, dass gemessen an der durchschnittlichen Mitarbeitendenzahl die voll ausgezahlte Prämie für jede Apotheke in diesem Jahr 6500 Euro extra Personalkosten bedeuten würde. Hinzu kämen die Lohnsteigerungen, die sich in diesem Jahr ohnehin aus den Tarifverhandlungen und als Folge der Erhöhung des Mindestlohns ergeben werden. Ein Großteil der Verträge sehe im Jahr 2026 eine Tariferhöhung von 3 Prozent vor, demnächst werde neu verhandelt.
Für den Durchschnitt fallen in diesem Jahr damit allein aus der letzten Tarifrunde 11.000 Euro Mehrkosten an, zu denen die 6500 Euro für die Entlastungsprämie noch addiert werden müssten. Für Bonuszahlungen bleibe den Apotheken in der Fläche wohl wenig Spielraum.
Steuerlich setzt Vongehr jetzt auf einen anderen Vorteil: „Man kann ja auch sehr gut mit der möglichen Erholungspauschale von 156 Euro gut ein wenig abfedern“, sagt er. Für sogenannte Erholungsbeihilfen, die im Kalenderjahr für den einzelnen Mitarbeitenden den Betrag von 156 Euro, für die Ehegattin oder den Ehegatten den Betrag von 104 Euro und für jedes Kind den Betrag von 52 Euro nicht übersteigen, kann der Arbeitgeber die Lohnsteuer mit einem Pauschsteuersatz von 25 Prozent erheben. Macht er davon Gebrauch, sind sie nicht dem Arbeitsentgelt zuzurechnen.