Statt Entlastung kommen auf die Apothekeninhaberinnen und -inhaber weitere Belastungen zu. Die geplante steuerfreie Prämie in Höhe von 1000 Euro pro Mitarbeitenden kann zu Diskussionen im Team führen. Während sich solche Zahlungen in Großkonzernen und im öffentlichen Dienst finanzieren lassen, sehen die Apothekenleiterinnen und -leiter diese Maßnahme kritisch. Sie wissen nicht, woher sie das Geld nehmen sollen. APOTHEKE ADHOC hat sich in den Betrieben umgehört.
Die Ankündigung, dass jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer einen Bonus gewährt bekomme, sei an sich gut, sagt Norbert Peter. Denn damit würden nicht nur etwa Autofahrer begünstigt, sondern die Prämie werde verteilt. „Was negativ daran ist: Es wird so charmant abgebügelt auf die Arbeitgeber. 80 Prozent der Arbeitnehmer verstehen nicht, dass etwas, was der Arbeitgeber absetzt, sein eigenes Einkommen minimiert“, so der Inhaber der Berliner Burger Apotheke.
Eine Ausschüttung an die Angestellten sei „völlig unmöglich“, wenn man die Zahlen der vergangenen zwei Jahre betrachte. „Wir kämpfen ums Überleben, uns wird die seit 13 Jahren fällige Erhöhung nicht gewährt.“ Die Diskussion um eine Streckung des Fixums sei dagegen falsch.
Dass die Politik sich mit dieser Prämie aus der Verantwortung stehle, sei „unangenehm“. Sie lasse jeden „hart arbeitenden Chef“ schlecht vor den Mitarbeitenden dastehen, da er erklären müsse, warum er das nicht zahlen könne. Im Allgemeinen sei das Verständnis gering. „Das ist ein Schnellschuss wie in der Coronazeit.“ Es gebe andere Methoden, die Arbeitnehmerinnen und -nehmer zu entlasten.
Auch Marion Flügel von der Sonnen-Apotheke in Schwarzach am Main ist keine Unterstützerin der Prämie. „Ich werde das nicht bezahlen können! Mehr gibt es dazu gar nicht zu sagen.“
Daniel Reuschel betreibt vier Engel-Apotheken in Fulda – und beschäftigt demzufolge ein großes Team. Insgesamt sind es 70 Angestellte. „Die Politik geht nicht auf unsere Forderungen und Nöte als Inhaber ein und will jetzt alle Arbeitgeber in einen Diskurs mit den eigenen Mitarbeitern treiben“, kritisiert er sarkastisch. Die Entlastungsprämie sei bei so vielen Angestellten „finanziell schwer umsetzbar“. Er hätte sich andere Vorschläge gewünscht: „Das wir unser Mitarbeiter in dieser Zeit unterstützen sollten, steht außer Frage, aber der Weg ist nicht der richtige.“
Mit einer vierköpfigen Mannschaft ist Thomas Faber aus Jüterbog in seiner Mönchen-Apotheke kleiner aufgestellt. Natürlich freue sich jeder über eine zusätzliche Zahlung, räumt er ein. „Würde ich auch so machen und mich freuen.“ Klar sei es eine Verschiebung der Politik auf die Unternehmensinhaber. Ob er seinen Angestellten etwas zahlen könne, müsse er erst noch durchdenken.
Im Prinzip sei die Prämie eine gute Sache für die Angestellten, sagt Christian Kraus. Der Inhaber von vier Apotheken in Heilbronn sieht jedoch eine Verschiebung der Verantwortung seitens der Politik. „Das betrifft nicht nur die Apotheken. Überall ist die Luft aktuell relativ dünn.“ Er beschäftigt rund 50 Angestellte. „Wo fängt man da an und wo hört man auf? Ich muss mir noch Gedanken machen, was ich mache. Die Mitarbeiter kennen auch die Situation der Apotheken.“
Vildane Idrizi-Sinani aus Düsseldorf unterstützt grundsätzlich solche Prämien. „Unsere Teams arbeiten mit großer Leidenschaft auf höchstem Niveau, und wir tun alles dafür, sie zu unterstützen; als Entlastung und Motivation ist das eine sehr gute Idee“, sagt die Inhaberin der Apotheke Deiker Höfe. „Ob wir das dauerhaft tragen können, entscheidet sich an den Zahlen.“ Sie eröffnete gerade ihre „Apotheke der Zukunft“ – wie sie sie nennt. Der Betrieb schaffe Effizienz und werde zeigen, welche Spielräume entstünden. „Ich bin guter Dinge, wir werden es schaffen und werden es zeigen.“
Allerdings versucht die Apothekerin, nicht auf Forderungen an die Politik zu setzen, sondern auf eigene Lösungen. „Als Inhaberin gestalte ich aktiv, was möglich ist. Diese Unabhängigkeit schafft Stabilität und gibt uns die Freiheit, unser Team mit Leidenschaft zu stärken und die Apotheke der Zukunft konsequent weiterzuentwickeln.“