Impf-App

Barmer: Jeder Zweite hat unzureichenden Impfschutz – oder weiß es nicht

, Uhr
Berlin -

Die Barmer will die Durchimpfungsraten ihrer Versicherten mit einer App verbessern. Einer repräsentativen Umfrage der Ersatzkasse zufolge muss jeder zweite Bundesbürger seinen Impfschutz auffrischen oder weiß nicht, ob er noch ausreicht. Ein digitaler Impfplaner soll den Versicherten nun helfen, den Überblick zu behalten und sie erinnern, wenn sie zur Impfung müssen. Die Barmer zieht damit nach, andere Kassen haben solche Angebote schon länger.

„Es ist ein Alarmsignal, dass viele Menschen ihren Impfstatus nicht kennen oder womöglich Impflücken haben. Das gefährdet den Impfschutz der Gemeinschaft, der bei einer Durchimpfungsrate von weniger als 95 Prozent nicht mehr gegeben ist“, sagt Barmer-Chef Prof. Dr. Christoph Straub. Säuglinge und diejenigen, die sich nicht impfen lassen können, seien so vor einer Ansteckung nicht mehr sicher.

Für die Umfrage hat die Barmer nach eigenen Angaben 1000 Frauen und Männer ab 18 Jahren aus dem ganzen Bundesgebiet befragt. Den Ergebnissen zufolge sind sich 20 Prozent nicht sicher, ob ihr Impfschutz ausreicht, weil sie ihren Impfpass länger nicht mehr geprüft haben. 16 Prozent haben demnach Zweifel, weil sie die aktuellen Impfempfehlungen nicht kennen, während nur 10 Prozent der Befragten wissen, dass sie Impfungen auffrischen müssen.

Darüber hinaus prüft der Umfrage zufolge weniger als ein Drittel der Befragten regelmäßig, ob und wann eine Auffrischungsimpfung nötig ist. Ein weiteres Drittel verlasse sich auf den Arzt. 30 Prozent versuchten zwar, den Impfstatus im Auge zu behalten – vergäßen das dann aber wieder. Immerhin zehn Prozent lege demnach keinen Wert auf Impfungen oder habe generelle Bedenken gegen das Impfen – die Gruppe der sogenannten Impfgegner. Straub nennt den Impfplaner zumindest für die 90 Prozent, die sich impfen lassen wollen, einen „unkomplizierten Helfer“. Wer sich dann an den Impfplaner halte, der auf den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) basiert, sei auch umfassend immunisiert. Die Impf-Anwendung ist keine komplett eigenständige App, sondern ein neuer Bestandteil der persönlichen Mitgliederbereichs „Meine Barmer“ und in die Kassen-App integriert, aber auch über Desktop-Computer nutzbar.

Ähnliche Angebote wie gibt es bereits von der AOK und unzähligen unabhängigen Anbietern. Die App meinImpfpass ist für Versicherte der AOK Niedersachsen in einer Premium-, für alle anderen AOK-Versicherten nur in einer Light-Version verfügbar, in der man Impfdaten selbst eingeben kann. Die Premium-Version der App ermöglicht es zusätzlich, Eintragungen und Impf-Abrechnungsdaten der Ärzte aus den letzten vier Jahren einzusehen sowie sich Hinweise auf Apotheken und Beratungsstellen anzeigen lassen, die auf Reiseschutzimpfungen spezialisiert sind.

Auch in die Gesundheits-App vivy, die gemeinsam von Allianz, IKK Classic, DAK Gesundheit, Gothaer, Barmenia und Süddeutscher Krankenversicherung angeboten wird, ist ein digitaler Impfpass integriert, inklusive Informationen über relevante Impfungen und einer Erinnerungsfunktion.

Wer sich unabhängig von Kassen und privaten Anbietern informieren will, kann auf die „STIKO App“ zurückgreifen. Die Anwendung der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut fasst die wichtigsten Informationen, die die Behörde herausgibt, unter anderem die aktuellen STIKO-Empfehlungen, die Empfehlungen zu Impfungen bei bestimmten Risikogruppen und zur postexpositionellen Prophylaxe sowie die Fachinformationen aller Impfstoffe und einen RKI-Ärzteratgeber zu impfpräventablen Erkrankungen.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Neuere Artikel zum Thema
Mehr zum Thema
Umverteilung des Apothekenhonorars
Rochell: Kassen riskieren Versorgung
Mehr aus Ressort
Übernahme von KI-basiertem Telefonassistenten
Doctolib will Praxen Anrufe abnehmen

APOTHEKE ADHOC Debatte