Wenn der Engpass zum Austausch zwingt

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Berlin - Weil der globale Bedarf eines Arzneistoffes oftmals nur noch in zwei bis drei Werken produziert wird, ist die Gefahr eines Lieferengpasses bei Ausfall einer Produktionsstätte hoch. Zu den bekanntesten Beispielen gehört Ibuprofen. Ebenfalls Schlagzeilen machte der Engpass bei der Gruppe der Sartane – NDMA-Verunreinigungen sorgten für leere Schubladen. Aktuell bestehen auch Lieferschwierigkeiten bei Antidepressiva, Antibiotika und Zytostatika. Die Umstellung der Patienten auf Therapiealternativen ist zum Teil kompliziert oder nicht möglich. Arzt und Apotheker werden vor neue Herausforderungen gestellt.

Lieferengpass = Therapieumstellung = Lieferengpass

Je nach Arzneistoff kann ein Patient mitunter auf einen anderen Vertreter der Wirkstoffgruppe umgestellt werden. Als es aufgrund von Verunreinigungen mit Nitrosaminen zu einem Valsartan-Engpass kam, wurden zahlreiche Patienten auf Candesartan oder Irbesartan umgestellt. Tabellen mit Äquivalenzdosen sollten helfen, die benötigte Menge an Arzneistoff zu berechnen. Einige Wochen später sorgte diese flächendeckende Umstellung auch bei den restlichen Sartanen zu Lieferengpässen, die Anzahl an Patienten konnte nicht bedient werden. Die Folge: Personen, die mit Sartanen behandelt wurden, mussten auf eine neue Therapie umgestellt werden.

Lieferengpass = Mehr Neben- und Wechselwirkungen

Jeder Wirkstoff hat ein anderes Nebenwirkungsprofil. Muss ein Patient auf einen strukturverwandten Wirkstoff umgestellt werden, kann es zu schwereren Nebenwirkungen kommen – dies ist insbesondere bei starken Medikamenten wie Zytostatika der Fall. Aktuell informiert das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) über einen möglichen Versorgungsengpass bei Epirubicin. Der größte Teil des Wirkstoffes wird in der Ukraine vom Hersteller Synbias hergestellt. Gründe für die Produktionsprobleme soll die politische Lage vor Ort sein. Der Wirkstoff ist wird unter anderem bei Brust-, Lungen-, Blasen- und Magenkrebs angewendet. Laut aktuellen Leitlinien kann Epirubicin durch Doxorubicin ersetzt werden. Die Wirksamkeit sei nämlich sehr ähnlich. Die Nebenwirkungen können unterschiedlich ausfallen. Doxorubicin wird von den Patienten weniger gut vertragen, Übelkeit und Erbrechen treten öfter auf. Auch schwere Nebenwirkungen wie eine kardiale Toxizität oder Neutropenie treten vermehrt auf, obwohl die Atome sich strukturchemisch nur in der Konfiguration des 4’-C Atoms unterscheiden.

Auch bei Antibiotika sind derzeit mehrere Arzneistoffe nicht lieferbar, darunter das kombinierte Breitbandantibiotikum Cotrimoxazol. Das Präparat wird häufig bei unkomplizierten Blasenentzündungen eingesetzt. Weder Tabletten noch Säfte können aktuell über den Großhandel bezogen werden. Um den Patienten dennoch zu versorgen, muss der Arzt ein neues Rezept mit einem anderen Wirkstoff ausstellen. Je nachdem, welcher alternative Arzneistoff gewählt wird, kann es zur verminderten Wirksamkeit aufgrund von Resistenzen oder veränderten Wechselwirkungen kommen.

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