Nach NDMA-Verunreinigungen

Ranitidin in der Tumortherapie – DGHO rät jetzt ab Alexandra Negt, 24.10.2019 11:36 Uhr

Berlin - Ranitidin kommt nicht nur bei Sodbrennen zum Einsatz, sondern auch im Off-Label-Use als Prämedikation in der Tumortherapie. Bei mehreren Krebsmedikamenten wird der Wirkstoff sogar explizit als mögliche Comedikation in der Fachinformation aufgeführt. Die Evidenz ist laut der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinischer Onkologie (DGHO) aber unzureichend und entspricht dem Level of Evidence Grad 4. Die DGHO empfiehlt im Zuge der aktuell vorkommenden Verunreinigungen mit N-Nitrosodimethylamin (NDMA), den Einsatz des H2-Antihistaminikums in der Onkologie zu hinterfragen.

Ranitidin ist ein Wirkstoff, der die Magensäuresekretion hemmt. Zugelassen wurde der Wirkstoff in Europa Anfang der 80er-Jahre unter den Namen Zantic und Sostril. Das H2-Antihistaminikum wird oral, intramuskulär oder intravenös appliziert. In der Onkologie wird Ranitidin außerhalb der Zulassung zur Prophylaxe und Therapie von Hypersensitivitätsreaktionen eingesetzt. Diese können als Sofortreaktion innerhalb einer Stunde in Form von Anaphylaxie auftreten. Auch Spätreaktionen sind möglich: Hepatitis, Zytopenie und Exantheme können die Folge sein, die sich durch Ranitidin möglicherweise reduzieren lassen.

Aufgrund der dünnen Evidenzlage empfiehlt die DGHO, auf Ranitidin als Prämedikation in der medikamentösen Tumortherapie zu verzichten. Onkologen sollten ihre Therapieschemata erneut durchsehen und beim Fehlen belastbarer Evidenz für die jeweilige Indikation auf die Prämedikation verzichten. Ist der Einsatz von Ranitidin explizit in der Fachinformation erwähnt, so kann laut DGHO unter Umständen ein Austausch durch Famotidin stattfinden. Nachteilig ist, dass dieser Histamin-H2-Rezeptor-Antagonist nicht als intravenöse Injektionen zur Verfügung steht.

Famoditin ist ein H2-Rezeptor-Antagonist mit einer anderen chemischen Struktur als Ranitidin. Nach oraler Gabe werden maximale Plasmaspiegel nach 1 bis 3,5 Stunden erreicht. Die Wirkung hält für 10 bis 12 Stunden an. 20 mg Famotidin entsprechen in ihrer Effektivität 150 mg Ranitidin. Es sind keine klinisch relevanten Arzneimittelinteraktionen bekannt. Eine Beeinträchtigung der Bioverfügbarkeit anderer oral eingenommener Arzneimittel durch die Anhebung des Magen-pH-Wertes muss berücksichtigt werden. Bei Einsatz in der Prämedikation ist eine orale Gabe 90 Minuten vor dem onkologischen Wirkstoff sinnvoll.

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