Wegen Verunreinigungen

EMA: Ranitidin nicht mehr abgeben

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Berlin -

Das H2-Antihistaminikum Ranitidin soll von Ärzten und Apothekern zur Behandlung von Sodbrennen und Magengeschwüren nicht mehr empfohlen werden. Da der potentiell kanzerogene Stoff N-Nitrosodimethylamin (NDMA) in mehreren Ranitidin-Präparaten oberhalb der Grenzwerte gefunden wurde, ohne dass die Quelle der Verunreinigungen bekannt ist, sollen die Präparate laut Europäischer Arzneimittelagentur (EMA) vorerst nicht mehr eingenommen werden. In den USA hatte die Arzneimittelbehörde FDA bereits Anfang April zur Marktrücknahme aufgefordert.

In den USA wurden bereits Anfang April alle Ranitidin-haltigen Arzneimittel zurückgerufen. Als Grund nannte die FDA die potentielle Verunreinigung mit dem Nitrosamin. Laufende Untersuchungen zeigten, dass die NDMA-Konzentration im Laufe der Zeit und während der Lagerung bei höheren Temperaturen als der Raumtemperatur zunimmt. „Da wir nicht wissen, wie oder wie lange die Arzneimittel gelagert werden, haben wir beschlossen, dass Ranitidin-haltige Arzneimittel für Patienten nicht mehr verfügbar sein sollen, wenn die Qualität der Produkte nicht gesichert werden kann“, sagt Dr. Janet Woodcock, Direktorin des Zentrums für Arzneimittelbewertung und -forschung der FDA. Die Behörde sprach sich dafür aus, dass Patienten, die Ranitidin-haltige OTC-Präparate einnehmen, die Behandlung beenden sollten.

Zu dem gleichen Schluss kam nun die EMA: Ärzte und Apotheker sollen die Patienten bei der Beratung zum Thema Sodbrennen und Magengeschwüren auf Alternativen aufmerksam machen. „Die verfügbaren Sicherheitsdaten zeigen nicht, dass Ranitidin das Krebsrisiko erhöht, und ein mögliches Risiko ist wahrscheinlich sehr gering“, schreibt der CHMP. „NDMA wurde jedoch in mehreren Ranitidin-Medikamenten oberhalb der als akzeptabel erachteten Konzentrationen gefunden, und es gibt ungelöste Fragen zur Quelle der Verunreinigungen.“ Deshalb habe man sich zu den Maßnahmen entschlossen.

Patienten, die verschreibungspflichtige Ranitidin-Arzneimittel einnehmen, sollen ihre Therapie nicht eigenmächtig absetzen, sondern mit ihrem behandelnden Arzt über Alternativtherapien sprechen. Wirkstoffe, auf die die Patienten umgestellt werden könnten sind unter anderem: Famotidin, Cimetidin, Esomeprazol, Lansoprazol, Pantoprazol oder Omeprazol.

Neues Analyseverfahren auf NDMA

Im September 2019 hatte die US-Versandapotheke Valisure das potentiell krebserregende Nitrosamin im H2-Rezeptor-Antagonisten entdeckt und die FDA informiert. Die Arzneimittelbehörde hatte für NDMA eine maximale tägliche Aufnahmegrenze von 96 ng festgelegt. Valisure konnte jedoch in einer Ranitidin-haltigen Tablette mehr als 3 mg NDMA nachweisen. Schon zum damaligen Zeitpunkt wurde vermutet, dass die Anwesenheit des Nitrosamins auf die Instabilität von Ranitidin bei hohen Temperaturen zurückzuführen ist.

Die FDA entwickelte daraufhin ein Analyseverfahren für den Arzneistoff, die LC-HRMS-Methode zum Nachweis von NDMA im Ranitidin. Denn die zuvor verwendete HS-GC-MS-Methode, die Temperaturen von etwa 130 Grad erfordert, wurde als ungeeignet betrachtet. Mit dem neuen Analyseverfahren wurden zwar geringere NDMA-Konzentrationen nachgewiesen – aber immer noch inakzeptable Werte für einige Chargen.

Emery Pharma untersuchte daraufhin die Hitzestabilität von Ranitidin. Verwendet wurde die von der FDA empfohlene LC-HRMS-Methode. Die vorläufigen Analyseergebnisse zeigen, dass der Wirkstoff bei Raumtemperatur scheinbar stabil ist und bei Temperaturen von etwa 70 Grad akkumuliert. Die Daten zeigen, dass bei 25 Grad kaum eine Veränderung der NDMA-Konzentration zu verzeichnen ist. Bei einer Temperatur von 70 Grad steigt der NDMA-Wert und erreicht nach 14 Tagen einen Wert von etwa 70 ng und bleibt damit unter dem empfohlenen Maximum. Dieses wird jedoch bei Temperaturen über 70 Grad bereits innerhalb von weniger als vier Tagen überschritten. Nach zwölf Tagen werden NDMA-Werte von etwa 140 ng erreicht.

 

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