Candesartan: Vom Regen in die Traufe

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Berlin -

Nachdem zahlreiche Hersteller ihre Valsartan-Präparate aufgrund von Verunreinigungen zurückrufen mussten, wurden viele Patienten auf den Wirkstoff Candesartan umgestellt. Die Folge: Auch Candesartan wurde zur Mangelware – immer mehr Stärken und Packungsgrößen konnten nicht geliefert werden. Der Bestellaufwand wurde umfangreicher: Parallel zur ständigen Abfrage beim Großhandel versuchten viele Apotheken, einzelne Packungen über Direktbestellungen zu ordern. In einer Apotheke war die Ernüchterung groß, als dann die ersehnte Warenlieferung eintraf, aber einen sehr kurzen Verfall aufwies.

Eine Apotheke in Sachsen-Anhalt staunte nicht schlecht, als nach langer Defekt-Phase eine Lieferung von Candesartan Heumann mit sehr kurzem Verfall eintraf: Die N3 mit 98 Tabletten war noch drei Monate haltbar. Die Angestellten wunderten sich, weshalb diese Packungen erst jetzt ausgeliefert worden waren und woher sie kommen konnten. Bei einer Resthaltbarkeit von weniger als drei Monaten vermutete die Inhaberin, dass es sich um aufgetauchte Restmengen handele, und wollte die Bestellung direkt stornieren.

Nach Angaben von Heumann sind die Mitarbeiter bei Kurzläufern aber dazu verpflichtet, telefonische Auskunft über den Verfall zu geben. In Absprache mit der Apotheke würde dann entschieden, ob die Packungen rausgeschickt werden oder nicht. Stornierungen solcher Bestellungen seien selten, da Apotheken die Präparate meist direkt für einzelne Kunden bestellen würden.

Um eine unabgestimmte Auslieferung von Medikamenten mit kurzem Verfall zu vermeiden, werden diese laut Sprecherin bei Heumann in getrennten Warenlagern aufbewahrt. Diese Mengen seien dann nicht Teil des allgemeinen Lagerbestandes. Die betroffenen Chargen werden in einem gesonderten System eingepflegt, sodass sie über die serielle Bestellung gar nicht ausgebucht werden können. Nur telefonisch könnten gezielt solche Packungen bestellt werden. Auch der Großhandel erhalte diese Ware nicht ohne Rücksprache.

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