Antibiotika: Einnahmedauer ist keimabhängig

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Berlin - In den vergangenen Jahren häufen sich Studien, die darauf hinweisen, dass kürzere Antibiotikatherapien einer längeren Therapie gleichwertig oder sogar überlegen sind. Dennoch sollten diese Arzneimittel nach derzeitigem Stand nur in Absprache mit dem Arzt eingenommen und abgesetzt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) spricht sich nun gegen eine Pauschalisierung aus, dass nunmehr immer kurz therapiert werden dürfe. Denn diese Handlungsweise könnte für manche Patienten gefährlich werden.

Der bisherige Stand war, dass ein Antibiotikum auch noch nach dem Verschwinden der Symptome und stets bis zum Ende der Packung eingenommen werden sollte. Wissenschaftler sehen diese Faustregel als überholt an. Untersuchungen der letzten Jahre liefern immer mehr Evidenz, dass bei vielen Infektionen eine kürzere Einnahmezeit genauso wirksam ist. Beispielsweise zeigt eine im vergangenen Jahr im Fachjournal „Jama“ veröffentlichten multizentrische, randomisierte, klinische Studie, dass eine fünftägige Antibiotikatherapie bei einer ambulant erworbenen Lungenentzündung sich als ebenso wirksam erwies wie eine 10-tägige.

Kürzere Therapie reduzieren nach derzeitigem Wissensstand die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung resistente Erreger. „Dennoch sollten Patienten Antibiotika nicht in Eigenregie absetzen, sobald sie sich besser fühlen“, schreiben die Infektiologen in ihrem kürzlich veröffentlichten Positionspapier. Sie fordern, dass Antiinfektiva individuell auf die bakterielle Infektion abgestimmt werden sollten. Man könne nicht pauschal sagen, dass nunmehr immer kurz therapiert werden dürfe.

„Viele Jahre ist man davon ausgegangen, dass eine längere Antibiotikatherapie die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr der Infektion oder die Ausbildung von Resistenzen verringert“, sagt Professor Dr. Gerd Fätkenheuer, Leiter der Infektiologie an der Universitätsklinik Köln und Vorsitzender der DGI. Dahinter stehe der Gedanke, möglichst alle krankmachenden Bakterien abzutöten. „Heute wissen wir: Je länger die Bakterien dem Selektionsdruck eines antimikrobiellen Wirkstoffs ausgesetzt sind, desto wahrscheinlicher überleben überwiegend resistente, also gegen das Mittel unempfindliche Erreger“, so Fätkenheuer. Eine kürzere Antibiotikatherapie habe nicht nur den Vorteil von weniger Resistenzentstehung – sie gehe auch mit weniger Nebenwirkungen einher.

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