Rezept-Ratgeber: Wegweiser für Ärzte

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Berlin - Der weltweite Antibiotikaverbrauch ist in den vergangenen 15 Jahren um rund 65 Prozent gestiegen. Damit gekoppelt sind die zunehmenden Antibiotikaresistenzen eine ernst zunehmende Gefahr für die öffentliche Gesundheit. Die niedersächsische Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) fordert, dass Antibiotika gezielt eingesetzt werden sollen, und stellte zusammen mit der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) die Neuauflage des Antibiotika-Ratgebers für niedergelassene Ärzte vor. Ziel ist die Reduktion der Verordnungen mit diesen Arzneimitteln.

Allein in der EU sterben nach Angaben des Europäischen Zentrums für Prävention und Kontrolle von Krankheiten jährlich etwa 25.000 Menschen wegen einer Infektion mit Erregern, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken. Weltweit sind es laut WHO rund 700.000. Zudem verursacht die Resistenz jedes Jahr zusätzliche Kosten im Gesundheitswesen von über 1,5 Milliarden Euro.

„Antibiotika müssen bei der Behandlung bakterieller Infektionskrankheiten weiter wirksam bleiben“, sagte Reimann anlässlich ihres Besuch beim Landesgesundheitsamt (NLGA). Die Ministerin setzt sich dafür ein, dass die Antibiotikagaben an Menschen und Tieren verringert werden, um die Entstehung neuer Resistenzen aufzuhalten. „Der Ratgeber zur Antibiotikatherapie ist ein wichtiger Eckpfeiler der gemeinsamen niedersächsischen Strategie gegen Antibiotikaresistenzen.“

Das Handbuch wurde gemeinsam mit Experten vom NLGA entwickelt. Es wendet sich an niedergelassene Ärzte und beinhaltet die Diagnostik und orale Therapie leichter bis mittelschwerer Infektionen, die häufig ambulant behandelt werden. Hier werden rund 85 Prozent der Antibiotika verordnet. Das Werk soll den Medizinern praxisnah zeigen, welche Antibiotika bei welchen Krankheiten gezielt verordnet werden können. „Der industrieunabhängige Ratgeber berücksichtigt sowohl aktuelle Leitlinien, als auch die derzeitige Resistenzsituation in Niedersachsen und soll niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten eine Entscheidungshilfe für einen zurückhaltenden und rationalen Einsatz von Antibiotika geben“, sagt Dr. Matthias Pulz, Präsident des Landesgesundheitsamtes.

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