Verordnungsverhalten

Antibiotika-Verordnungen stabil

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Berlin -

Zu oft, zu viel, zu schnell lautet oft das Credo für die Verschreibung von Antibiotika. Zunehmende Resistenzen sind die Folge und können die Therapie erschweren. Trotz aller Mahnungen und Ängste sind die Verordnungen aber stabil.

Im vergangenen Jahr gaben die öffentlichen Apotheken etwa 12,6 definierte Tagesdosen pro 1000 Versicherte und Tag (DID) oraler Antibiotika ab. Die Zahl ist beinahe unverändert im Vergleich zu den Vorjahren. Laut Auswertungen des Deutschen Arzneiprüfungsinstituts (DAPI) wurden 2014 etwa 12,8 DID zu Lasten der Kassen abgerechnet, 2012 waren es etwa 13,2 DID. Privatrezepte wurden nicht erfasst.

Regional gibt es Unterschiede im Verordnungsverhalten. In der Hauptstadt wurden zum Beispiel 11,2 DID rezeptiert. Im Vergleich: In den Jahren 2012 und 2014 waren es 11,9 beziehungsweise 11 DID. Hessen liegt im Durchschnitt gegenüber den anderen Bundesländern zwar mit vorne, verzeichnet aber dennoch rückläufige Zahlen. In den Jahren 2012 bis 2016 sanken die Verordnungen von 14,4 DID auf 13,4 DID. Die Zahlen in Westfalen-Lippe sind erfreulicherweise weiterhin rückläufig. „Der Gesamtwert der verordneten Tagesdosen sank binnen eines Jahres um etwa 400.000 – von 15,3 auf 14,9 Millionen. Im Jahr 2013 wurden sogar noch 16,6 Millionen Tagesdosen verordnet“, meldet die Apothekerkammer.

Unterschiede gibt es auch innerhalb Europas. Die Zahlen klaffen weit auseinander. In den Niederlanden wurden 2015 im ambulanten Bereich nur 10,7 DID abgegeben. Spitzenreiter ist Griechenland mit 36,1 DID. Der die Bevölkerungszahlen berücksichtigende Mittelwert lag in ganz Europa bei 22,4 DID. „Diese Zahlen sind nicht eins zu eins mit unseren aktuellen Ergebnissen vergleichbar, zum Beispiel weil in der aktuellen Auswertung des DAPI Verordnungen von Zahnärzten nicht berücksichtigt wurden und sich die Auswertung auf oral angewendete Antibiotika beschränkte. Aber die Tendenz ist klar: In Deutschland werden Antibiotika erfreulicherweise zurückhaltender verordnet als in den meisten anderen europäischen Ländern“, sagt Dr. Andreas Kiefer, Vorstandsvorsitzender des DAPI.

Antibiotika als stumpfes Schwert: Pro Jahr werden in den USA zwei Millionen Infektionen mit resistenten Keimen verzeichnet. 230.000 davon führen zum Tod. Vor allem gramnegative Erreger sind problematisch, da sie teilweise gegen fast alle verfügbaren Antibiotika resistent sind. Manche Experten sprechen gar von einer „post-antibiotischen Ära“.

In den vergangenen Jahren häufen sich Studien, die darauf hinweisen, dass kürzere Antibiotikatherapien einer längeren Therapie gleichwertig oder sogar überlegen sind. Dennoch sollten diese Arzneimittel nach derzeitigem Stand nur in Absprache mit dem Arzt eingenommen und abgesetzt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) spricht sich gegen eine Pauschalisierung aus, dass nunmehr immer kurz therapiert werden dürfe. Denn diese Handlungsweise könnte für manche Patienten gefährlich werden.

Einen Königsweg im Umgang mit Antibiotika gibt es laut den Infektiologen nicht. In welchen Fällen ein Arzneimittel abgesetzt werden kann, sobald die Symptome abgeklungen sind, und in welchen Fällen nicht, könne nur ein Arzt entscheiden. Wenn die Beschwerden frühzeitig gelindert würden oder das Antibiotikum nicht mehr wirke, sollte der Patient mit dem behandelnden Arzt das weitere Vorgehen besprechen. Wie bei jedem anderen Medikament gelte auch für Antibiotika: Die Einnahme sollte so kurz wie möglich, aber so lange wie nötig erfolgen.

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