Procalcitonin: Marker für Antibiotika-Therapie

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Berlin - Schweizerische Wissenschaftler haben nach einer Metaanalyse herausgefunden, dass mithilfe des körpereigenen Infektionsmarkers Procalcitonin der Einsatz von Antibiotika gezielt gesteuert werden kann. Den im Fachjournal „The Lancet Infectious Diseases“ veröffentlichten Ergebnissen zufolge kann eine entsprechend gestützte Therapie zu einer Abnahme von Nebenwirkungen sowie der Mortalität führen.

Procalcitonin (PCT) ist die Vorstufe eines Schilddrüsenhormons Calcitonin und besteht aus 116 Aminosäuren. Die Substanz wird in den C-Zellen der Schilddrüse produziert und ist bei Gesunden kaum nachweisbar. Bei viralen Infektionen nimmt die PCT-Produktion ab, wahrscheinlich aufgrund der steigenden Produktion des Zytokins Interferon-γ.

Im Falle einer bakteriellen Infektion dagegen steigt die Blutkonzentration innerhalb von sechs bis zwölf Stunden an. Anders als bei anderen Entzündungsmarkern wird die Freisetzung von Procalcitonin durch Interferon-γ blockiert. Procalcitonin ist daher spezifischer für bakterielle Infektionen als das C-reaktive Protein (CRP) oder als die Leukozytenzahl.

Im Februar wurde PCT von der US-Arzneimittelbehörde FDA als diagnostischer Marker bei Patienten mit akuten Atemwegsinfektionen anerkannt. Aus früheren Studien ist bereits bekannt, dass der Einsatz von Procalcitonin eine Antibiotika-Therapie um rund 30 Prozent verkürzen kann. In der ärztlichen Verschreibepraxis kann das Prohormon als Orientierungshilfe dienen, da eine Abgrenzung zwischen bakteriellen und viralen Infektionen bei Atemwegsinfektionen sich oft als schwierig darstellt. Außerdem ist eine engmaschigere Überwachung während der Therapie möglich.

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