Bakterien: Resistenz durch Raubmord

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Berlin - Wenn der Kollege zur Konkurrenz wird, wird er einfach umgebracht. So reagieren einer aktuellen Studie zufolge zumindest einige Bakterien, die so die Resistenz des anderen Bakteriums aufnehmen und selbst resistent werden können.

Weltweit erforschen Wissenschaftler neuen Möglichkeiten, um Resistenzen zu umgehen. Dazu müssen sie zunächst die vielfältigen, oft auch unbekannten Ursachen und Trigger identifizieren. Eine im Fachjournal „Cell Reports“ publizierte Studie stellt nun einen weiteren Mechanismus vor: Bakterien holen sich Resistenzen auch von ihren Konkurrenten, indem sie diese mit einem nanomolekularen Giftcoctail zerplatzen lassen.

Forscher der Universität Basel haben herausgefunden, dass die Bakterien die eingesetzten Giftproteine, sogenannte Effektoren, mithilfe eines Typ-VI-Sekretionssystems (T6SS) injizieren. T6SS ist ein weit verbreitetes Exportsystem, das sowohl in Boden- und Meeresbakterien als auch in dem pathogenen Keim Pseudomonas aeruginosa oder in Vibrio cholerae vorkommt. Das System spielt bei der Feindabwehr, der Symbiose sowie den Wechselwirkungen zwischen Bakterien eine bedeutende Rolle. Darüber hinaus bestimmt es die Virulenz von Krankheitserregern.

Nach der Injektion der Giftspritze löst sich in der Folge das angegriffene Bakterium auf und setzt seine DNA frei, die dann vom Angreifer aufgenommen wird. Befinden sich darauf nun Gene, die für eine bestimmte Resistenz verantwortlich sind, so wird der neue Besitzer ebenfalls resistent gegen das Antibiotikum. In Kliniken sind Krankheitserreger mit diesen Fähigkeiten ein großes Problem. Denn durch den Kontakt mit anderen resistenten Keimen können diese immer neue Resistenzen akkumulieren – die Erreger werden schließlich multiresistent. Das Antibiotikum ist in Folge dessen nicht mehr wirksam und der Erreger kann sich weitgehend ungestört vermehren.

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