Bakterien in der Sackgasse

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Berlin - Antibiotikaresistenzen sind eine zunehmende Gefahr für die öffentliche Gesundheit, denn immer mehr Erreger sprechen nicht mehr auf die gewohnte Therapie an. Gefürchtet sind vor allem Krankenhauskeime. Sie können bei immunschwachen Patienten zu schweren Infektionen führen und sind dann schwer therapierbar. In einer aktuellen Untersuchung konnten Kieler Wissenschaftler gemeinsam mit internationalen Kollegen zeigen, dass beim Bakterium Pseudomonas aeruginosa die Evolution von Resistenz gegen bestimmte Antibiotika gleichzeitig zu einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber anderen antibiotischen Wirkstoffen führt. Die Studie wurde im Fachjournal „Molecular Biology and Evolution“ veröffentlicht.

Die Arbeitsgruppe Evolutionsökologie und Genetik des neu gegründeten Kiel Evolution Centers (KEC) der Christian-Albrechts-Universität hat untersucht, wie sich verschiedene Formen der Antibiotika-Gabe auf die evolutionäre Anpassung der Erreger auswirken. Die Forscher um Professor Dr. Hinrich Schulenburg analysierten, welche antibiotischen Substanzen nach Resistenzbildung zu wechselseitigen Sensitivitäten führen können. Das Laborexperiment wurde mit dem Keim Pseudomonas aeruginosa (P. aeruginosa) durchgeführt. Der Erreger wurde in zwölfstündigen Intervallen immer höheren Dosierungen von acht Antibiotika verschiedener Stoffklassen (Ciprofloxacin, Gentamicin, Streptomycin, Piperacillin/Tazobactam, Carbenicillin, Doripenem, Imipenem, Cefsulodin) ausgesetzt. Dabei wurde beobachtet, dass P. aeruginosa resistent gegenüber den verschiedenen Arzneistoffen wurde. Danach untersuchten die Wissenschaftler, wie sich die resistenten Keime gegenüber anderen Wirkstoffen verhielten. Dafür wurden die Erreger mit Antibiotika versetzt, mit denen sie bis dahin nicht in Berührung gekommen waren. Mit dieser Methode sollte herausgefunden werden, welche Resistenzbildungen zugleich sensitiv gegen einen anderen antibiotischen Stoff sind („kollaterale Sensitivität“).
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