Hamburg

Antibiotika-Kampagne in Apotheken

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Berlin -

Jährlich werden in Hamburg über 560.000 Rezepte für Antibiotika ausgestellt. Damit liegt die Hansestadt im bundesdeutschen Mittelfeld. Wenn es nach der Landeskonferenz zur gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung geht, könnte die Zahl aber noch wesentlich niedriger sein.

„Einst als Wunderwaffe gegen Infektionen entwickelt, drohen Antibiotika durch unsachgemäßen Gebrauch ihre Wirksamkeit zu verlieren“, sagt Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). Der Antibiotikaverbrauch der Hamburger soll durch eine Kampagne gesenkt werden, die auf drei Säulen fußt.

Die Ärzte sollen weniger verordnen und daher verstärkt einen Schnelltest zur Unterscheidung von viralen und bakteriellen Infektionen einzusetzen, der ab Juli von allen Krankenkassen bezahlt wird. Das soll auch bei der Auswahl des richtigen Antibiotikums helfen. Zu häufig würden gleich Breitbandantibiotika eingesetzt.

Für Ärzte, Zahnärzte und Apotheker soll es außerdem regelmäßig fachspezifische und interdisziplinäre Fortbildungen zum Thema geben. Schließlich will man die Bevölkerung auf den unbegründeten Gebrauch von Antibiotika aufmerksam machen. So wird auf Postkarten darüber aufgeklärt, dass bei 90 Prozent der Atemwegserkrankungen Antibiotika nicht helfen, weil sie durch Viren ausgelöst wurden, Antibiotika aber nur gegen Bakterien wirksam sind.

An Arztpraxen und Apotheken werden 16.000 Abreißblocks mit mehrsprachigen Informationen verteilt, die helfen sollen, wenn Patienten ein Antibiotikum verlangen, das nicht indiziert ist. Apotheken erhalten außerdem spezielle Blätter mit individuellen Einnahmehinweisen, die zusammen mit dem verordneten Medikament ausgegeben werden können.

Die Hamburger Landeskonferenz zur gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung gibt es seit fünf Jahren. Ihr gehören Vertreter verschiedener Bereiche der Gesundheitsversorgung an wie Kassen, Ärzte- und Patientenorganisationen sowie Behörden. Ziel ist es, sektorenübergreifende Problemfelder zu definieren und Empfehlungen auszusprechen.

Den Antibiotikaeinsatz erfolgreich reduziert hat auch das Universitätsklinikum Dresden. Seit drei Jahren werden dort nach strengen Kriterien nur noch dann Antibiotika eingesetzt, wenn dies nötig ist. Insgesamt hat das Vorgehen zu einem deutlichen Rückgang im Gesamtverbrauch geführt und gleichzeitig auch zu einem deutlich erhöhten Einsatz von Schmalspektrum- anstelle von Breitspektrum-Antibiotika. Außerdem hat das Monitoring dem Klinikum im vergangenen Jahr Einsparungen von etwa 1 Million Euro gebracht. Den Anstoß gab Katja de With, Leiterin der Klinischen Infektiologie, die auch Apothekerin ist.

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