Fehlerquellen

Trockensäfte: Wasser rein – fertig?

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Berlin -

Wirkstoffhaltige Säfte sind insbesonders aus der Verschreibung für Kinder nicht wegzudenken. Doch wird von den Eltern auch richtig dosiert? Aus Studien und auch aus dem Apothekenalltag ist bekannt, dass es durchaus einen erhöhten Erklärungsbedarf für diese Arzneiform gibt.

Wenn Antibiotikasäfte nicht korrekt hergestellt werden, kann es zu Über- und Unterdosierungen kommen, die den Behandlungserfolg erschweren und zu Nebenwirkungen führen können. Eine Studie aus dem Jahr 2016 zeigte, dass es einen erhöhten Erklärungsbedarf für diese Arzneiform gibt: Der Hälfte des Pflegepersonals einer Kinderklinik war es nicht möglich, den Antibiotikasaft korrekt herzustellen. Wiederum etwas mehr als die Hälfte der Probanden kam mit der Dosierung mittels Dosierlöffel nicht zurecht und verabreichte auf diese Weise eine inkorrekte Saftmenge.

Eine weitere Studie aus den 1990er Jahren zeigte, wie wichtig die Beratung in der Apotheke ist: 90 Eltern erhielten eine flüssige Arzneiform samt Dosierspritze für ihre Kinder; der Erfolg wurde in drei gleich großen Gruppen überprüft: In Gruppe 1 wurden den Eltern lediglich der Saft und die Spritze zur Verfügung gestellt, Gruppe 2 erhielt eine Einweisung und die korrekte Dosierung wurde einmalig demonstriert. Bei Gruppe 3 wurde auf der Spritze zusätzlich eine Markierung beim benötigten Maß eingezeichnet.

Das Ergebnis war deutlich: In Gruppe 1 erhielten nur 37 Prozent der Kinder die korrekte Dosis ihres Medikamentes, der Rest war deutlich unter- oder überdosiert. In Gruppe 2 sah es schon deutlich besser aus, denn 83 Prozent erhielten die gewünschte Menge des Saftes. In Gruppe 3 waren es gar 100 Prozent der Kinder, denen die korrekte Saftmenge von ihren Eltern verabreicht wurde.

Daher sollte für das pharmazeutische Personal der Grundsatz gelten, das Anmischen des Saftes in den Apothekenräumlichkeiten für ihre Kundschaft zu übernehmen, um diese Fehlerquelle zu vermeiden. In Deutschland wird diese Tätigkeit bislang nicht von den Krankenkassen vergütet. Es ist somit nicht abrechenbar, sollte aber im Sinne der Arzneimittelsicherheit in jeder Apotheke für die Kunden angeboten werden.

Fehlerquellen bei der Herstellung sind zum einen die Verwendung des falschen Lösungsmittels und zum anderen das unterlassene vorherige Auflockern des Pulvers in der Flasche. Die Saftflasche wird zugedreht und kräftig geschüttelt, bis sich keine sichtbaren Pulvernester mehr am Flaschenboden befinden. Sodann muss abgewartet werden, bis sich der Schaum auf der Oberfläche etwas abgesetzt hat, bevor wieder Leitungswasser bis zum Markierungsstrich aufgefüllt wird.

Zum Lösen des Wirkstoffes sollte dabei reines Leitungswasser ohne jegliche Zusätze verwendet werden. Bei der Abmessung der richtigen Wassermenge ist die Markierung an der Flasche im 45 Grad Winkel zu betrachten und nicht von unten oder oben.

Doch mit der Verarbeitung des Trockenpulvers zu einem Saft ist es nicht getan. Von großer Bedeutung für die Stabilität und Qualität ist die Beachtung des Lagerungshinweises. „Nach dem Herstellen der Lösung/Suspension im Kühlschrank aufbewahren“, trifft nicht auf alle Säfte zu. Die rekonstituierten Suspensionen mit Amoxicillin, Penicillin, Erythromycin und Cefpodoxim sollen bei zwei bis acht Grad im Kühlschrank gelagert werden und sind dann je nach Wirkstoff nur begrenzt haltbar – Penicillin beispielsweise für 10 und Cefaclor für 14 Tage. Nicht in den Kühlschrank sollten Clarithromycin und Azithromycin. Die zubereitete Zithromax-Suspension ist bei Raumtemperatur fünf Tage haltbar.

Die Dosierung mittels Dosierlöffel ist oft ungenau und besonders fehleranfällig. Eltern verabreichen auf diese Weise eine inkorrekte Saftmenge. Am sinnvollsten ist daher der Einsatz von Dosierspritzen für einen Saft, da diese an der passenden Stelle markiert werden können. Viele Firmen legen ihren Produkten entsprechende Dosierspritzen bei. Einigen Antibiotikasäften von Infectopharm sind Dosierlöffel beilegt, der Hersteller bietet den kostenlosen Versand von Dosierspritzen für seine Produkte an. Dies können alle Apotheken nutzen, um ihre Kunden bei der richtigen Dosierung der Säfte zu unterstützen.

Grundsätzlich sollte jegliche Flüssigkeit, die mittels einer Dosierspritze oral verabreicht wird, seitlich in die Backentasche gespritzt werden. Damit wird ein eventuell einsetzender Würgereiz durch das Auftreffen des Flüssigkeitsstrahls auf das Zäpfchen umgangen.

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