Gin nach altem Apothekerrezept

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Berlin - Früher ein Mittel gegen Verdauungsbeschwerden, heute namensgebende Zutat im Gin Tonic: Wie zahlreiche Kräuterschnäpse war Gin einst ein Produkt vom Apotheker. Stefan Alles greift mit dem Unternehmen Scheller im hessischen Bad Homburg diese Tradition wieder auf. Seit zwei Wochen bietet der Firmenchef den „Spiritus Juniperi“ an – Gin nach einem Apothekerrezept aus dem 19. Jahrhundert.

Alles hat vor etwa 20 Jahren gemeinsam mit seiner Frau Heike Alles-Jung den Spirituosenbetrieb Scheller übernommen. Regelmäßig durchforstet er die alten Unterlagen und Rezeptbücher des Unternehmens, das seit 1843 besteht. „Dabei bin ich auf das Rezept für einen Gin gestoßen“, sagt er. Das weckte sein Interesse: „Gin erlebt in letzter Zeit eine Renaissance.“ Zudem sei die Nachfrage nach traditionellen, regionalen Produkten gestiegen. Alles entschloss sich daher, die Produktpalette zu erweitern.

Etwa ein Jahr lang recherchierte Alles das Rezept für den traditionellen Wacholderschnaps. Der damalige Unternehmer Fritz Scheller hatte es handschriftlich festgehalten. Nach dem ersten Ansetzen des Gins hieß es zwei Monate warten: So lange dauert die Reifung. Seit etwa zwei Wochen bietet Alles den Schnaps zum Verkauf an.

Unternehmer Scheller hatte bei der Entwicklung seiner Spirituosen einen fachkundigen Helfer: einen gewissen Apotheker Hoffmann von der Engel-Apotheke Bad Homburg. „Hoffmann und Scheller haben viele Rezepte gemeinsam ausgeheckt“, sagt Alles. Auch den seit 1843 produzierten Reichspost Bitter der Firma hat der Apotheker mitentwickelt. Gin – pharmazeutisch Spiritus Juniperi oder Wacholdergeist – wurde ursprünglich von Apothekern als Medizin abgegeben: Innerlich angewandt soll er gegen Verdauungsprobleme geholfen haben, äußerlich eingerieben etwa gegen rheumatische Schmerzen.

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