Analgetika-Konsum

„Es liegt an der Werbung der Hersteller“

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Berlin -

Paracetamol, Aspirin, Ibuprofen, Diclofenac: Für jeden ist ein Schmerzmittel dabei. Früher war Aspirin der Renner, heute ist „Ibu die Lieblings-Kopfschmerztablette der Deutschen“, wie die „Zeit“ unter der Überschrift „Haste mal 'ne Ibu“ berichtet.

Hat Aspirin ausgedient? Nach Zahlen des Marktforschungsunternehmens Iqvia hat sich die Menge der verkauften rezeptfreien Präparate mit Ibuprofen zwischen 2007 und 2016 fast verdoppelt. Auch unter den ärztlichen Verschreibungen hat das Schmerzmittel Konjunktur: Der Ibuprofen-Anteil am Schmerzmittelmarkt stieg den Zahlen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) zufolge zwischen 1990 und 2016 von ungefähr 6 Prozent auf fast ein Drittel. Diclofenac, Paracetamol und Acetylsalicylsäure seien vergleichsweise unbeliebt geworden, so die Zeitung.

„Dass die Menschen heute eher Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol nehmen als ASS, ist schon sinnvoll“, sagt Dr. Jan-Peter Jansen, ärztlicher Leiter des Schmerzzentrums Berlin gegenüber der „Zeit“. Denn ASS beeinflusse stark die Blutgerinnung. „Wer dringend operiert werden muss und kurz davor Aspirin genommen hat, stellt den Chirurgen mitunter vor große Probleme“, so Janssen.

Ob Ibuprofen deutlich sicherer sei als Diclofenac oder Paracetamol, wisse man nicht. Zudem könne unter Ibuprofen der Blutdruck steigen und die Nieren Schaden nehmen. „Die Nebenwirkungen von Ibuprofen und NSARs werden unterschätzt“, so der Arzt. Diese Mittel langfristig zu schlucken, sei gefährlicher, als Opiate zu nehmen.

Doch warum ist der Wirkstoff populärer geworden? „Ich glaube, das liegt an der gezielten Werbung der Hersteller“, zitiert die Zeitung den Arzt. Die würden das Medikament seit Jahren als Alleskönner anpreisen, der gegen Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen und Fieber helfen soll. „Und zwar der ganzen Familie, von der Oma bis zum Kind.“

Als nicht-steroidales Antirheumatikum (NSAR) sorgt auch Ibuprofen dafür, dass weniger Prostaglandine gebildet werden. „NSAR sorgen aber auch dafür, dass sich im Magen weniger Schleim bildet, der die Schleimhaut vor der aggressiv-sauren Magensäure schützt. Die Folge können Reizungen und Magengeschwüre sein“, heißt es im Beitrag. „Von den Magenproblemen unter NSARs weiß man schon lange“, sagt Tania Schink gegenüber der Zeitung. Sie ist Leiterin der Arbeitsgruppe Arzneimittelrisikoforschung am Leibnizinstitut für Präventionsforschung und Epidemiologie.

„Seit Kurzem wissen wir auch, dass sie Herzinfarkte und Schlaganfälle begünstigen können“, so Schink. Herzinfarkte und Schlaganfälle seien nicht nur langfristige Nebenwirkungen, denn herzkranken Patienten könne auch der Kurzzeitgebrauch schaden.

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