ApoRetrO

Kennzeichnungspflicht für die Sichtwahl Alexander Müller, 14.10.2017 07:58 Uhr

Berlin - Erst hatten sie in der Flinte-Apotheke noch über die Pillenbibel gelacht. Den Schinken „Medikamente im Test“ würde sich doch sowieso kein Kunde kaufen und dann am HV-Tisch mit neuen Erkenntnissen nerven. Doch dann erfuhr Inhaberin Anne Ammenmärchen, dass jemand im Ministerium die Idee mit der Arznei-Ampel supertoll findet. Und dass sie demnächst wohl die komplette Sichtwahl bekleben muss.

Dass Kombinationspräparate bei Arzneimittelkritikern keinen besonders guten Stand haben, ist hinlänglich bekannt. Aber wie sieht das Team von Test-Testern den Rest des Sortiments? Zumindest für die ersten 9000 Rx- und OTC-Präparate wissen wir es jetzt – grün, zartgrün, gelb oder rot. Das Urteil ist gesprochen.

Gerd Glaeske findet, dass das Buch in jedem Haushalt stehen sollte. Aber Gerd Glaeske ist nicht Joanne K. Rowling. Die wenigsten dürften 29,90 Euro für eine Information zahlen wollen, die sie gratis und bei Bedarf ausführlicher in der Apotheke erhalten. Genau das hat jetzt die Politik auf den Plan gerufen.

Der noch geheime Plan: Alle Apotheken sollen verpflichtet werden, sich das Buch zu kaufen und ihre Sichtwahl entsprechend zu kennzeichnen. Dazu müssen sie beim Ministerium kostenpflichtig Bögen mit Ampelaufklebern bestellen und jede Packung mit der passenden Farbe versehen. Das Nachschlagewerk hilft. „Die Aufkleber und den ganzen Aufwand zahlt mir kein Mensch“, klagt Apothekerin Ammenmärch

APOTHEKE ADHOC Debatte