Zyto-Pfusch

Morddrohungen gegen Apothekenmitarbeiter APOTHEKE ADHOC, 12.10.2017 15:18 Uhr

Berlin - Wie fühlt es sich an, angestellt in der Apotheke des mutmaßlichen Zyto-Pfuschers Peter S. zu sein? Laut einem Bericht der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) belasten die Vorwürfe gegen den ehemaligen Chef die Mitarbeiter erheblich: Beschimpfungen und Bedrohungen seien keine Seltenheit. Derweil haben Journalisten einen Hilfsfonds für die beiden Whistleblower aufgelegt. Und die Opfer sind erneut auf die Straße gegangen.

Die WAZ stellt in ihrem Beitrag eine Approbierte vor, die in der Alten Apotheke den Notdienst übernommen hat. „Ich sage Ihnen, das ist so schon ein Scheißgefühl. Aber jetzt hat man einfach Angst“, wird die Apothekerin zitiert. Der Grund seien die Drohungen: Viel Zorn habe sich auf die Beschäftigten entladen, nachdem der Inhaber Ende 2016 festgenommen und die Vorwürfe veröffentlicht worden seien.

„Ich kam an dem Tag zur Arbeit, da kam mir ein Kollege entgegen, der war grün im Gesicht. Ich habe ihn gegrüßt, er hat nicht reagiert“, so die Apothekerin. Die nächste Zeit sei geprägt gewesen von „Beschimpfungen und Bedrohungen: Ich komm’ und knall’ euch alle ab!“ Kollegen hätten geweint nach solchen Anrufen. Vorübergehend seien in der Apotheke vor der Annahme von Telefonaten die Nummern von Anrufern aus dem Display abgeschrieben worden, um im Fall des bedrohlichen Falles irgendetwas in der Hand zu haben.

80 bis 90 Mitarbeiter leiden laut Bericht unter dem Gerücht, sie hätten gewusst, geahnt, getuschelt – und geschwiegen, lieber weggeguckt. Das sei „die Aburteilung und Verurteilung von Menschen, die nach bestem Wissen und Gewissen ihrem Broterwerb nachgehen“, zitiert die WAZ die Apothekerin. „Ich vermute, keiner hat etwas gewusst. Für die Mitarbeiter, die mir am nächsten stehen, kann ich garantieren.“

„Sogar die kleinsten Angestellten sind beschimpft worden, die nicht das kleinste bisschen zu tun haben mit der Arbeit im Labor“, so die Apothekerin. S. habe allein im Labor gearbeitet und die Medikamente hergestellt. „Da musste auch niemand weggucken, weil man gar nicht hingucken konnte.“

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