Zyto-Skandal

Die Bilanz des Pfusch-Apothekers APOTHEKE ADHOC, 01.06.2017 13:35 Uhr

Berlin - „Ein fast perfektes Verbrechen.“ So schreibt das Recherchezentrum Correctiv über den Zytoskandal in Bottrop. Autor David Schraven hat nicht nur Zugang zu den Ermittlungsakten, sondern kennt auch die Protagonisten persönlich. Und er weiß, wie groß die Verunsicherung vor Ort ist: Fast jeder Einwohner kenne jemanden, der direkt oder indirekt betroffen sei. Sein Fazit: Sollten die Vorwürfe stimmen, war die Alte Apotheke Schauplatz eines der größten Medizinverbrechen in Deutschland.

In seinem ersten Beitrag über den mutmaßlichen Zyto-Skandal outet sich Schraven als Insider: Jahrelang sei er mit S. in die Schule gegangen, habe von der 5. bis zur 10. Klasse sogar eine Bank vor ihm gesessen. Aus diesem Grund habe er die Vorwürfe lange nicht glauben können: Mag sein, dass in der Apotheke nicht alles korrekt lief und dass da betrogen wurde. Aber dass dort Menschenleben für Profit geopfert wurden, war für Schraven genauso unvorstellbar wie viele für andere Menschen in Bottrop auch.

Immerhin handelte es sich um eine alteingesessene Apothekerfamilie, war S. als Sponsor und Wohltäter stadtbekannt. Außerdem liefen die Geschäfte, seine Medicity umfasste eine ganze Reihe an Häusern mit Ärzten unterschiedlichster Fachrichtungen. Rund 50 Millionen Euro soll S. jährlich umgesetzt haben – mit Millionengewinn. Warum sollte so einer Krebsmedikamente strecken?

Doch dann bekam Schraven als Chef des Journalistennetzwerks Zugriff auf die Ermittlungsakten. Dort stand der mathematische Beweis: Zwischen 2010 und 2016 soll S. mehr als 250.000 mg Abraxane (Paclitaxel) abgerechnet haben. Eingekauft hatte er aber weniger als 100.000 mg. Bei Opdivo (Nivolumab) wurden zwischen Sommer 2015 und Januar 2016 rund 16.000 mg ein-, aber rund 52.000 mg verkauft.

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