Zyto-Skandal

Pfusch-Apotheker: Wo ist das Millionenvermögen? APOTHEKE ADHOC, 17.10.2017 14:15 Uhr

Berlin - Bleibt von den vielen Millionen des mutmaßlichen Pfusch-Apothekers Peter S. am Ende zu wenig übrig, um die Opfer zu entschädigen? Nachforschungen des Rechercheverbunds Correctiv haben ergeben, dass sich die Eltern systematisch daran beteiligen, das Vermögen dem Zugriff der Justiz zu entziehen. Dabei habe ihnen eine Nachlässigkeit der Staatsanwaltschaft Essen in die Hände gespielt.

Ende November 2016 wurde Peter S., der Inhaber der Alten Apotheke in Bottrop, wegen des Verdachts auf schwere Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz festgenommen. Die Staatsanwaltschaft legt ihm zudem gewerbsmäßigen Betrug und versuchte Körperverletzung zu Last. Er soll in sechs Bundesländern Ärzte und Kliniken mit Krebsmitteln beliefert haben, in denen die entscheidenden Wirkstoffe nicht oder nicht ausreichend enthalten waren.

Um eventuelle Schadensersatzforderungen zu bedienen, ließ die Staatsanwaltschaft Essen eine Hypothek in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro auf die Luxusvilla im Ortsteil Kirchhellen eintragen. Das wahre Ausmaß des Medizinskandals gelangte erst im Laufe der weiteren Ermittlungen ans Licht. Doch die Staatsanwaltschaft ließ das restliche Vermögen noch neun Monate lang unangetastet. Dieses Zeitfenster nutzten S. und seine Eltern offenbar aus.

Anhand von vorliegenden Dokumenten weist Correctiv nach, dass sich die Eltern dabei einen Wettlauf mit den Behörden lieferten. Schon im Dezember 2016 nahm die Mutter über ihren Anwalt Kontakt zur Bottroper Amtsapothekerin auf. Sie wolle die Alte Apotheke wieder übernehmen. Kein Problem, sagte die Amtsapothekerin. Intern habe es aus der Stadt geheißen, dass die Alte Apotheke als wichtiger Arbeitgeber erhalten bleiben müsse.

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