Zyto-Pfusch

Verteidiger wollen Erklärung abgeben APOTHEKE ADHOC, 14.11.2017 07:50 Uhr

Berlin - Der erste Prozesstag gegen den mutmaßlichen Pfusch-Apotheker aus Bottrop ist vorbei. Die Anklage wurde verlesen, Peter S. schweigt. Jetzt bekommen seine Verteidiger die Möglichkeit, sich zu äußern. Sie haben angekündigt, ein Eröffnungs-Statement zu verlesen.

Die Möglichkeit zu dieser Art von Erklärung gibt es erst seit diesem Sommer. Sie bedeutet allerdings nicht, dass sich der Angeklagte selbst über seine Anwälte zu den Vorwürfen äußern wird. Das Recherchekollektiv Correctiv berichtete am Wochenende, dass die Verteidigung eine Angriffsstrategie fahren wolle. „Sie bezweifeln die Buchhaltung der Alten Apotheke und die Wissenschaftlichkeit der Analysen der bei der Razzia sichergestellten Infusionen“, hieß es. Notfalls sollten kleinere Vergehen zugegeben werden, um S. vor dem Vorwurf zu schützen, tausenden Patienten lebensrettende Medikamente vorenthalten zu haben.

Nach Ansicht der Anwälte habe die Buchhaltung der Alten Apotheke nicht gestimmt, der tatsächliche Warenbestand an vorhandenen Krebsmitteln sei gar nicht verzeichnet gewesen. So seien Zytostatika aus den Jahren von 2001 bis 2012, die in der Apotheke noch gelagert hätten, nicht erfasst gewesen. Auch seien Restmengen aus angebrochenen Packungen genutzt worden, genauso wie abgelaufene und beschädigte Packungen, die nur auf dem Papier an die Hersteller zurückgeliefert worden seien. Die Dokumentation der Hersteller sei zudem fehlerhaft: Sie hätten mehr an die Alte Apotheke geliefert, als in ihren Büchern stünde.

Laut Staatsanwaltschaft, so Correctiv, ist das Unfug: Bei den angegebenen Summen seien die Mengen viel zu gering, die S. auf dem Schwarzmarkt eingekauft oder aus Überfüllungen genutzt haben will. Zudem sei die Vielfalt der gepanschten Mittel viel zu groß, als dass man sie mit diesen einzelnen, krummen Geschäften erklären könne.

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