Retaxationen

Apotheker müssen Rabattverträge suchen Alexander Müller, 11.10.2017 15:36 Uhr

Berlin - Die Krankenkassen starten in drei Bundesländern ihre neuen Zytoverträge auf Herstellerebene. Federführend für insgesamt 95 Kassen hat die AOK Rheinland/Hamburg die Open-House-Verträge in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Schleswig-Holstein geschlossen. Die Beteiligung auf Herstellerseite ist bis jetzt äußerst bescheiden. Um Retaxationen zu vermeiden, sollen die Apotheken sich online über neue Verträge informieren, wenn diese noch nicht in der Software hinterlegt sind.

Mit dem Arzneimittel-Versorgungsstärkungsgesetz (AM-VSG) hat der Gesetzgeber exklusive Zytoverträge zwischen Krankenkassen und einzelnen Apotheken verboten. Als Alternative soll nicht nur die Hilfstaxe gestärkt werden – die Verhandlungen hierzu sind derzeit im Schiedsverfahren –, die Kassen dürfen neuerdings auch auf Wirkstoffebene Verträge mit den Herstellern schließen. Die Apotheken müssen diese dann bei der Herstellung beachten. Der Kassenverbund hatte schon Ende August mit der Bekanntgabe der Open-House-Verträge in den drei Bundesländern einen ersten Anlauf genommen. Dabei kann sich jeder Hersteller beteiligen, der zu den vorgegebenen Konditionen liefert.

Bislang ist die Beteiligung extrem mau: Nur bei fünf Wirkstoffen gibt es bislang überhaupt einen Partner – und derzeit jeweils nur einen. In vier Fällen ist dies die Firma AqVida, die schon zum 1. Oktober beigetreten ist. Betroffen sind die Wirkstoffe Docetaxel, Irinotecan, Oxaliplatin und Paclitaxel. Bei Doxorubicin in vier verschiedenen Varianten ist allein der Reimporteur CC Pharma beigetreten, allerdings erst zum 1. November. Ausgeschrieben waren insgesamt 55 Wirkstoffe.

Die Verträge gelten für Fertigarzneimittel, die als Bestandteil einer parenteralen Zubereitung aus Fertigarzneimitteln in der Onkologie zur unmittelbaren ärztlichen Anwendung verordnet und durch öffentliche Apotheken abgerechnet werden. Ausschlaggebend für die Gültigkeit der Verträge ist der Standort der Apotheke. In den drei Bundesländern besteht dann eine Austauschpflicht zugunsten der rabattierten Fertigarzneimittel. Die Verträge gelten für alle beteiligten Krankenkassen gleichermaßen.

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