Baustellen-Horror

Notverkauf: Apotheker verklagt München Silvia Meixner, 12.10.2017 10:14 Uhr

Berlin -

„Die Stadt München hat mein Lebenswerk zerstört“, sagt Apotheker Robert Scheerer. Seine Gesundbrunnen-Apotheke in Pasing lief jahrelang glänzend, für seine innovativen Ideen wurde er mehrfach ausgezeichnet. Eine Großbaustelle bremste ihn schließlich aus. Schaden: 700.000 Euro. Jetzt verklagt er die Stadt, zuerst auf eine Teilsumme.

Es ist der Albtraum eines jeden Apothekers: Eine Großbaustelle vor der Tür vergrätzt jahrelang die Kunden. Die Einnahmen sinken. Die Briefe der Bank werden eindringlicher. Wie lange können Sie Ihren Kredit noch bedienen? Wir raten Ihnen dringend, Ihre Apotheke zu verkaufen und früher als geplant in Rente zu gehen. Anderenfalls: Privatinsolvenz.

Scheerer hat das alles durchlebt. David gegen Goliath. Goliath, das ist die reiche Stadt München, deren Rechtsanwalt die Arroganz erahnen lässt, mit der eine große Stadt gegen den vermeintlich kleinen Apotheker auftritt: „Sie können nicht erwarten, dass ein Anwalt am Telefon Auskunft gibt“, sagt der Jurist auf Nachfrage, die Seite der Stadt darzustellen.

„Ich will mich nicht kampflos ergeben“, sagt Scheerer. Und dass er der Ungerechtigkeit und Übermacht der Stadtverwaltung die Stirn bieten will. Dafür hat der 67-Jährige bislang 5000 Euro in Anwaltskosten investiert, für den nächsten juristischen Schritt ist mindestens noch einmal diese Summe fällig. Er weiß, dass viele Unternehmer aus Pasing, die in den vergangenen Jahren ebenfalls von den Auswirkungen der Großbaustelle betroffen waren, entmutigt aufgegeben haben. „Einige haben sich einen neuen Standort gesucht, andere haben ihre Geschäfte geschlossen“, sagt Scheerer, „wiederum andere, die Pächter von Immobilien der Stadt waren, sollen Entschädigungszahlungen erhalten haben.“ Seines Wissens ist er der Einzige, der den juristischen Kampf aufgenommen hat. Finanziell bedeutet das ein Wagnis mit unsicherem Ausgang.

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