Baustelle seit März 2017

Kopfschmerzen, Staub und Zwangsurlaub Torsten Bless, 12.07.2018 15:06 Uhr

Berlin - Seit 16 Monaten bereits hat Markus Kleffner mit den Folgen von Straßenbauarbeiten vor der Tür seiner Nikolaus-Apotheke in Münster-Wolbeck zu kämpfen. Jetzt droht eine Sperrung des Gehwegs seinen Umsatz gänzlich einbrechen zu lassen.

Kleffner übernahm die Apotheke zum 1. Juli 2001. Doch Rabattverträge oder ständig zunehmende Bürokratie hätten ihn nicht so stark zugesetzt wie die schon seit März 2017 andauernden Bauarbeiten direkt vor seiner Tür. Der Ortsteil Wollbeck werde durch die Maßnahmen geteilt. Die Beeinträchtigungen seien immens. „Ich musste zwei Putzhilfen zusätzlich engagieren. Ab und zu muss auch mein Team zum Reinigen ran, schließlich wollen meine Kunden keine dreckigen Medikamentenpackungen kaufen.“ Dazu käme die ständige Lärmbelästigung. „Das ist unvorstellbar, kein Wunder, dass meine Angestellten ständig Kopfschmerzen haben. Wenn ich in meinem Büro sitze, dann wackelt der PC von den Erschütterungen.“

Seinem Team müsse er große Flexibilität abverlangen. „Ich passe den Dienstplan kurzfristig der jeweils aktuellen Lage an. An manchen Tagen ist hier gar nichts los, dann muss ich Mitarbeiter nach Hause schicken“, sagt er. „Wenn sie ihre Überstunden abgebaut haben, muss ich Zwangsurlaub anordnen.“ Dazu habe er als Arbeitgeber das Recht, auch wenn die Familien darüber aus verständlichen Gründen nicht begeistert seien. Doch finanziell bleibe ihm gar keine andere Wahl: „Seit Beginn der Baumaßnahmen habe ich mehr als ein Drittel meines Umsatzes verloren“, sagt Kleffner. Die Baustelle mache nicht allein seiner Apotheke zu schaffen. „Ein Lotto-Toto-Geschäft hat nicht mehr durchhalten können und musste schon zumachen, zwei bis drei weitere Einzelhandelsgeschäfte stehen auf der Kippe. Zu allem Überfluss hat mir der Vermieter über seinen Makler noch zum 1. Juni eine Mieterhöhung aufgebrummt.“

Zu einem besonders kniffligen Problem entwickelte sich die nächtliche Warenanlieferung. Häufig bestelle er große Sendungen mit Infusionslösungen. „Die Fahrer können nicht mehr zur Lieferschleuse vorfahren und müssen die Paletten vom Marktplatz hierher schleppen.“ Die Großhändler seien über den immens vermehrten Aufwand bei gleichzeitig sinkendem Umsatz nicht glücklich. „Aber wenn ich nichts verdiene, kann ich auch nichts bestellen.“ Wenn alle Wege versperrt seien, müsse er sich im Notfall wohl seine Medikamente selbst beim Händler abholen.

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