Kein Umsatz

Noweda wirft 423 Apotheker raus

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Berlin -

Die Noweda hat im abgelaufenen Geschäftsjahr unter dem Strich 84 Mitglieder verloren. Das Besondere: Diese Zahl wird der Vorsitzende Dr. Michael Kuck bei der morgigen Generalversammlung mit Stolz präsentieren. Denn der Großhändler hat in den eigenen Reihen aufgeräumt und Apothekern die Tür gezeigt, die nur die Dividende abgreifen wollen.

Zum Stichtag Ende Juni weist die Noweda 9173 Mitglieder aus, vor einem Jahr waren es noch 9257. Den Nettoverlust von 84 Apothekern nimmt man bei der Genossenschaft in Kauf – er ist bewusst herbeigeführt. Denn 2016 hat die Generalversammlung eine Satzungsänderung beschlossen: Seitdem fliegt automatisch raus, wer seit zwölf Monaten keinen Umsatz mehr mit dem genossenschaftlichen Großhändler gemacht hat.

Kuck: „Auf einige Apotheker findet das jetzt Anwendung und wir haben das in aller Konsequenz durchgesetzt. Ich finde, dass das richtig ist“, so Kuck gegenüber APOTHEKE ADHOC. Schlechte Stimmung muss Kuck deswegen auf der Mitgliederversammlung nicht erwarten – eher im Gegenteil.

Konkret wurde auf Grundlage der neuen Regelung 423 Apothekern die Mitgliedschaft entzogen. Weitere 167 Mitglieder sind Kuck zufolge „normale“ Abgänge – sei es durch Kündigung oder Todesfall. Demgegenüber stehen 506 Neuzugänge. Klammert man die bewusst Herausgeworfenen aus, hat die Genossenschaft also 339 Mitglieder gewonnen.

Da in diesem Jahr alle zuletzt Inaktiven herauskomplimentiert wurden, geht Kuck künftig wieder von einem Nettowachstum der Genossenschaft aus: „Der Effekt wird sich sicherlich abschwächen“, so der Noweda-Chef. Denn im neuen Geschäftsjahr Jahr muss dann jeweils nur noch ein Jahr nach hinten geschaut werden. Kuck weiß aber auch: „Wir werden mit diesem Thema jetzt immer zu tun haben.“

Das jetzt über die Satzung abgesicherte Vorgehen ist im Vergleich zur früheren Lösung dennoch der deutlich elegantere Weg. Zuvor hatte die Noweda die Apotheker gleich zu Beginn der Zusammenarbeit eine Blanko-Kündigung der Mitgliedschaft unterschreiben lassen. Diese wurde gezogen, wenn die Apotheke den Lieferanten wechseln wollte.

Solche Fälle gab es immer wieder: Apotheker, die die knapp zweistellige Dividende auf ihre Noweda-Anteile einstreichen, gleichzeitig aber bei einem aktuell günstigeren Großhändler ihre Arzneimittel beziehen wollten. Die Kündigung seitens der Noweda führte dann regelmäßig zu Missstimmungen. Morgen dürfte Kuck von den Verbliebenen Genossen eher Applaus ernten.

Zumal es erneut auch operativ gut lief für die Nummer 2 im Markt: Der Umsatz kletterte um 12,4 Prozent auf knapp 7,1 Milliarden Euro. Davon entfielen 6,7 Milliarden auf das Deutschlandgeschäft (+12,8 Prozent), wobei die Übernahme von Ebert+Jacobi zu Buche schlägt. Allerdings sank die Rohertragsmarge erstmals seit zwei Jahren wieder unter 5 Prozent.

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