Apotheker wird CEO bei Klosterfrau | APOTHEKE ADHOC
Zurück zu alter Stärke

Apotheker wird CEO bei Klosterfrau

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Berlin -

Klosterfrau hat einen neuen CEO gefunden: Dr. Stefan Koch tritt den Posten in Köln zum 1. Januar an, er soll das Unternehmen zurück zu altem Erfolg führen. Koch kommt vom Generikahersteller Aristo – und ist von Hause aus Apotheker.

Koch ist Jahrgang 1969 und studierte Pharmazie in Regensburg. Nach der Promotion ging er in die Industrie, statt die elterliche Apotheke in Germering bei München zu übernehmen. Seine Karriere begann er Ende 2000 im Bereich Marketing/Vertrieb bei Hexal. Unter anderem war er für den Bereich Apothekenservice verantwortlich – er kennt also auch aus dieser Perspektive die Bedürfnisse der Apothekenteams.

2006 übernahm er die Vertriebsleitung von Sandoz in Deutschland. Doch im Mai 2008 verließ er den Konzern. Zwei Jahre lang war er für den Pflasterhersteller Coloplast als Vicepresident tätig, bevor ihn Thomas und Andreas Strüngmann zu Aristo nach Berlin holten. Die beiden Hexal-Gründer hatten nach Ablauf des mit Novartis vereinbarten Wettbewerbsverbots gerade begonnen, aus verschiedenen kleineren Firmen einen neuen Generikakonzern zu schmieden.

Koch war seit September 2010 als Geschäftsführer bei Aristo zunächst für den Bereich Marketing/Vertrieb zuständig. Nach dem Ausscheiden von Stephan Walz übernahm er im Frühjahr 2015 den alleinigen Vorsitz der Geschäftsführung und baute die deutschen und internationalen Aktivitäten seitdem deutlich aus. Mittlerweile gehört Aristo nicht nur zu den führenden deutschen Generikaherstellern, sondern baut auch im Ausland seine Aktivitäten massiv aus.

Der Wechsel zu Klosterfrau ist für Koch ein nochmaliger Karrieresprung – und auch für das Unternehmen wohl die entscheidendste Personalie der vergangenen Jahre. „Die Mitglieder des Verwaltungsrates sind überzeugt, dass Herr Koch mit seinem umfangreichen Fachwissen und seinen Führungsqualitäten auf strategischer, aber auch auf operativer Ebene ein hervorragender Sparringspartner sein wird“, heißt es vom Unternehmen auf Nachfrage.

Auch Geschäftsführer Thomas Niebergall freut sich: „Herr Dr. Koch kennt KMU genauso wie auch Großunternehmensstrukturen und hat als CEO langjährige DACH-Erfahrung im OTC-Bereich. Wir sehen der gemeinsamen Zusammenarbeit mit Herrn Dr. Koch mit Freude entgegen.“

Koch selbst sagt zu seinem Wechsel: „Ich bin unglaublich stolz auf das Team bei Aristo. Das was wir in den letzten elf Jahren gemeinsam erreicht haben ist außergewöhnlich und ich werde auch in Zukunft mit großem Interesse das weitere Wachstum bei der Aristo verfolgen.“ Besonders dankbar sei er den Strüngmann-Brüdern, mit denen er während der vergangen 22 Jahre „unglaublich viel erleben durfte“.

„Nun freue ich mich aber sehr auf die neue Aufgabe bei Klosterfrau. Für mich ist das wie ein Heimkommen. Ich habe als kleiner Junge in der Apotheke meines Vaters schon immer die Blau weißen Packungen von Klosterfrau gesehen und die Firma hat mich ein Leben lang begleitet. Insoweit gehe ich die neue Aufgabe mit großer Vorfreude, aber auch Demut an.“

Der Traditionshersteller aus Köln steckt seit dem Abgang des langjährigen Firmenchefs Friedrich Neukirch im Jahr 2015 in einer schwierigen Umbruchphase. Der Generationswechsel lief weniger reibungslos als erhofft, CEO Dr. Martin Zügel wurde nach nur vier Jahren durch Hans-Helmut Fabry ersetzt. Der ehemalige Vorstandschef von Hexal stieß als Krisenmanager mehrere strukturelle und personelle Veränderungen an, bevor er planmäßig vor einigen Wochen seine Arbeit in Köln beendete.

Doch jenseits der personellen Herausforderungen waren es vor allem strukturelle Probleme, mit denen sich Klosterfrau zuletzt herumschlagen musste. Der Verlust von wichtigen Lizenzprodukten wie Ricola, Dobendan, Autan, Tiger Balm oder Fortimel musste in den vergangenen Jahren verschmerzt werden, gleichzeitig rächte sich, dass die Internationalisierung lange verschlafen wurde. Zuletzt rächte sich die Fokussierung auf den Erkältungsbereich: Die Corona-bedingt ausgebliebene Erkältungssaison kostete das Unternehmen alleine in der Apotheke noch einmal ein Fünftel des Umsatzes.

Immerhin: Die Talsohle dürfte durchschritten sein, mit neuen Produkten wie Oyono und Femannose hat Klosterfrau bereits begonnen, sich in neuen Indikationen zu etablieren und unabhängiger vom Erkältungsmarkt zu machen. Auch strukturelle Veränderungen wurden bereits eingeleitet, so besteht die Gruppe jetzt aus fünf Geschäftsbereichen:

  • Healthcare (OTC/Mass Market)
  • Farco Pharma (Urologie)
  • Maria Galland (Kosmetik)
  • Hermes Süßstoffe (Assugrin)
  • Artesan (Lohnherstellung)

Hinter Klosterfrau steht eine Stiftung: Nach dem Tod des Firmenpatriarchen Wilhelm Doerenkamp wurde der größte Teil der Firmengruppe in den 1970er Jahren in eine Stiftung mit Sitz in Chur in der Schweiz überführt – die Familie in Gestalt von Doerenkamps einziger Enkelin Martine Eloy ist nur noch minderheitsbeteiligt. Zweck der Stiftung sind die Förderung der Natur- und Geisteswissenschaften, die Unterstützung von Alten und Gebrechlichen sowie notleidenden und bedürftigen Kindern sowie die Förderung von künstlerischen, literarischen, kulturellen und humanitären Leistungen.

Mit Erlösen von 155 Millionen Euro auf Basis der Apothekenverkaufspreise (AVP) kommt Klosterfrau laut Insight Health auf Rang 11 in der Apotheke. Bekannteste Marken in der Apotheke sind Neo Angin, Soledum, Bronchicum, Contramutan, Nasic, Kwai, Hepar SL, Taxofit, Anginetten und Jarsin. Klosterfrau ist mit Produkten rund um Melissengeist außerdem in der Drogerie und im Mass Market vertreten, zweite Vertriebslinie ist Syxyl.

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