Off-Label Medikamente bei Covid-19

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Lopinavir und Ritonavir

Zu den anfänglich vielversprechenden Wirkstoffkombinationen gehörten Lopinavir und Ritonavir. Die Proteaseinhibitoren zeigten Ende Februar in ersten Untersuchungen zunächst positive Ergebnisse. Verlässliche Aussagen über die Wirksamkeit gegenüber Covid-19 standen jedoch noch aus. Mitte Mai wurden im New England Journal of Medicine (NEJM) erste Studienergebnisse zur Wirksamkeit publiziert – die Ergebnisse waren ernüchternd. In Kürze umfasste die Studie folgdene Ergebnisse: Unter der Behandlung mit den Proteaseinhibitoren starben 19,2 Prozent der Behandelten innerhalb von vier Wochen. Ohne die Therapie waren es 25 Prozent. Die Zeit bis zu einer klinischen Zustandsverbesserung verkürzte sich unter der Gabe von Lopinavir/Ritonavir um einen Tag. Anfang Juli zog die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus mehreren Studienergebnissen Konsequenzen: Kaletra (Lopinavir/Ritonavir) schied aus einer von der WHO koordinierten Studie aus. Das HIV-Medikament hätte praktisch keinen Einfluss auf den Verlauf der Krankheit, so die WHO.

Stickstoffmonoxid

Das eigentlich für den Menschen giftige geruchslose Gas soll in geringen Mengen gegen Covid-19 eingesetzt werden. Stickstoffmonoxid unterbindet die Virusreplikation in hohem Umfang, sodass die Notwendigkeit einer Langzeitbeatmung reduziert werden kann, dieser Effekt wurde in ersten Studien nachgewiesen. Bereits bei der Sars-Pandemie 2002/2003 konnte nachgewiesen werden, dass das Gas die Vermehrung des Virus verlangsamt. Das Gas fungiert als Vasodilatator und wird als gefäßerweiterndes Medikament bei Leiden wie Angina pectoris angewendet. Indikationsgebiete für die Stickstoffmonoxid-Inhalationstherapie sind beispielsweise akutes Lungenversagen und pulmonale Hypertonie. In In-vitro Studien konnte bereits gezeigt werden, dass das Gas eine antimikrobielle Aktivität gegen verschiedene Bakterien, Protozoen und einzelne Viren hat. S-Nitroso-N-acetylpenicillamin, ein organischer Stickstoffmonoxid-Donor, ist in der Lage den Replikationszyklus von Sars-CoV über Inhibition der viralen Protein- und RNA-Synthese zu hemmen.

Tocilizumab

Tocilizumab, der Wirkstoff von Actemra/ RoActemra (Roche), wird eigentlich gegen rheumatoide Arthritis eingesetzt. Der monoklonale Antikörper wurde Ende März innerhalb einer zulassungsrelevanten Studie von Roche auf den potenziellen Nutzen bei Covid-19 untersucht. Eine erste Studie aus China untersuchte die Wirksamkeit von Tocilizumab bei schweren COVID-19-Verläufen. Der immunsuppressive Arzneistoff soll gegen einen drohenden Zytokinsturm wirken. Tocilizumab blockiert Rezeptoren, wodurch Entzündungssignale nicht mehr weitergeleitet werden. Laut Roche wurde Actemra deshalb sowohl in China als auch in Italien bereits eingesetzt. Aktuell wird überprüft, ob diese Einsätze einer klinischen Überprüfung standhalten.

 

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