Kortison gegen Covid-19

Dexamethason: Wirkung wenig überraschend Alexandra Negt, 19.06.2020 12:49 Uhr

Berlin - Der seit mehr als 60 Jahren eingesetzte Wirkstoff Dexamethason könnte für Patienten mit schweren Covid-19-Verläufen lebensrettend sein. Das synthethisch hergestellte Kortison konnte in der britischen Recovery-Studie überzeugen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von einem Durchbruch – Wissenschaftler der Goethe Universität Frankfurt sehen die Ergebnisse positiv, aber wenig überraschend.

Dexamethason gilt als der neue Lebensretter bei schweren Covid-19-Verläufen. Aktuell wird der Wirkstoff als „Breakthrough Therapy“ betitelt. Das künstlich hergestellte Kortison ist Teil der großangelegten Recovery-Studie, die an verschiedenen Standorten in Großbritannien durchgeführt wird. Innerhalb dieser Studie werden neben Dexamethason auch die im HIV-Medikament Kaletra enthaltenen Wirkstoffe Lopinavir und Ritonavir untersucht. Weiterhin geprüft werden Hydroxychloroquin, Azithromycin Tolcilizumab und Rekonvaleszentenserum. Dexamethason eignet sich, wie alle Kortisone, zur Behandlung von Entzündungszuständen. Es wirkt antiinflammatorisch und immunsuppressiv. Der Wirkstoff kann sowohl äußerlich als Creme oder innerlich als Tablette oder Infusion angewendet werden.

Wirkung nicht überraschend

Dass Dexamethason die Sterblichkeitsrate senken würde, ist aus Sicht vieler Wissenschaftler plausibel. „Aus biologischer Sicht ist dieser Effekt nicht völlig überraschend, da insbesondere die schwer erkrankten Patienten unter einer überschießenden Immunreaktion leiden. Kortison ist ein klassischer Behandlungsansatz, um das Immunsystem zu unterdrücken. Überraschend ist aber die Stärke des nachgewiesenen Effektes“, erklärt Professor Dr. Maria Vehreschild, leitende Infektiologin am Universitätsklinikum der Goethe Universität Frankfurt. Zusammen mit weiteren Kollegen hat sie sich die Recovery Studie näher angeschaut. Insgesamt wurden 2104 Patienten mit 6 mg Dexametason behandelt, die Gabe erfolgte entweder oral oder intravenös. Je schwerer der Verlauf, desto besser die Wirksamkei. Durch die Gabe von Dexametason konnte die Sterblichkeit bei mechanisch beatmeten Patienten um ein Drittel gesenkt werden, bei Patienten, die lediglich Sauerstoff benötigten, um etwa ein Fünftel. Der Einsatz bei Patienten mit leichteren Covid-Verläufen zeigte keinen Mehrwert.

Studienautoren überzeugt

„Dexamethason ist das erste Medikament, das die Überlebenschancen erwiesenermaßen verbessert hat“, urteilen die Autoren der Studie, „der Überlebensvorteil ist deutlich und hoch bei jenen Patienten, die dermaßen schwer erkrankt sind, dass sie eine Sauerstoffbehandlung benötigen. Deshalb sollte Dexamethason nun zur Standardtherapie solcher Patienten werden.“ So urteilt auch der britische Gesundheitsminister Matt Hancock und will veranlassen, dass Dexamethason auf die Liste der Standardverfahren gegen Covid-19 aufgenommen wird. Dexamethason sei nicht teuer, überall verfügbar und kann sofort angewendet werden, um weltweit Leben zu retten, so urteilen die Studienautoren weiter.

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